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News
23.10.2020

// „WENN ES UNSEREN HANDELSPARTNERN SCHLECHT GEHT, LEIDET AUCH SCHWEDEN“

Svenskt Näringsliv ist der Dachverband für 49 Arbeitgeber- und Branchenverbände, die wiederum 60.000 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 1,7 Millionen Arbeitnehmern haben. Svenskt Näringsliv ist somit die wichtigste Organisation für Unternehmen in Schweden. Dr. Eva Häussling ist Senior Policy Advisor Trade & Investment Promotion International Affairs bei Svenskt Näringsliv und gleichzeitig Geschäftsführerin der Sveriges Allmänna Utrikeshandelsförening – dem privaten Hälfteneigentümer von Business Sweden. Sie ist außerdem Mitglied des Vorstands von Svenskar i Världen und Vorstandsvorsitzende des Trägervereins der Deutschen Schule in Stockholm.

Die schwedische Coronastrategie wurde besonders in Deutschland kritisch beäugt. Wie beurteilte die schwedische Wirtschaft das Vorgehen? Die schwedische Wirtschaft hält sich hier mit Stellungnahmen eher zurück. Erst die Zukunft wird zeigen, welche Entscheidungen und Strategien sinnvoll waren.

Die schwedische Wirtschaft ist durch die Folgen der Pandemie mit „nur“ acht Prozent eingebrochen. War das vor allem Folge der anderen Coronapolitik oder gab es andere Faktoren, die einen stärkeren Rückgang verhindert haben? Schweden hat verglichen mit vielen anderen EU-Ländern eine geringe Staatsverschuldung und ist damit relativ gut für schwierige Zeiten gerüstet. Nichts desto trotz hat die Coronakrise viele schwedische Unternehmen hart getroffen. Einige Branchen, insbesondere das Reise-, Hotel- und Gaststättengewerbe, haben trotz eines eher sanften Lockdowns sehr gelitten und vielen ist die Existenzgrundlage entzogen worden. Bei Svenskt Näringsliv arbeiten wir jetzt intensiv damit, Maßnahmenpakete zusammenzustellen, die den Unternehmen dabei helfen können, neu durchzustarten. Wir hoffen natürlich, dass die schwedische Regierung diese Vorschläge auch umsetzt. Schweden ist allerdings sehr vom internationalen Handel abhängig. Wenn es unseren Nachbarn und anderen Ländern, in die wir exportieren und aus denen wir importieren, nicht gut geht, wird es auch für uns nicht einfach.

Schwedens Wirtschaft zeichnet sich durch digitale Pioniere aus. Gab es hier Unternehmen, die Produkte anbieten, die gerade jetzt gebraucht wurden? Schweden ist ein sehr innovatives Land und dies hat sich insbesondere in den letzten Monaten gezeigt. Unternehmen haben Dienstleistungen und Produkte entwickelt, die das Leben in der Coronakrise für viele Menschen erleichtern. Diese reichen von digitaler Freizeitbetreuung für Kinder oder Online-Werkzeugen, die für die besonderen Bedürfnisse von älteren Menschen zugeschnitten sind bis hin zu Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen oder ärztliche Beratung online. Die Liste ist lang. Viele gute Beispiele für digitale Ideen und Lösungen hat unser Mitglied der schwedische IT- und Telekomverband gesammelt.

Welche Veränderungen bleiben für die Wirtschaft langfristig? Sicher wird es langfristig viele Veränderungen geben. Spontan fallen mir zwei für Schweden ein. Zum einen betrifft das die Art zu arbeiten, also mehr Arbeit im Home Office und vermutlich weniger Geschäftsreisen. Zum andern wird das Instrument der Kurzarbeit, das in Schweden in diesem Ausmaß in der Pandemie zum ersten Mal genutzt wurde (572 000 Personen in Kurzarbeit), sicher Teil eines Krisenpakets für die Zukunft werden.

Was macht Ihnen für die nächsten 12 Monate Sorge, was Mut? Sorgen macht mir die rasante Zunahme der Arbeitslosigkeit in Schweden und insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit, die inzwischen bei fast 30 Prozent liegt. Sorgen macht mir auch die Zunahme von Protektionismus weltweit, der eine Gefahr für einen offenen und nachhaltigen Handel bedeutet und den brauchen wir, um nach der Pandemie wieder auf die Beine zu kommen. Mut macht mir hier aber auch, dass Schweden mit vereinten Kräften für die Aufrechterhaltung des offenen und nachhaltigen Handels weltweit einsteht.

Dies ist ein Artikel der Schweden aktuell. Lesen Sie das komplette Magazin hier

Foto: Ernst Henry Photography

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14.10.2020

// DER WALD - DIE GRÜNE SEELE SCHWEDENS

Zwei Drittel Schwedens ist Wald. Er ist Arbeitsplatz, Inspirationsquelle und Kulturschauplatz zugleich. Da ist die Dunkelheit unter den Bäumen, die mythologische Kreaturen, Trolle und Nixen sowie einige der berühmtesten schwedischen Helden und Dichter hervorgebracht hat. Da ist die vor allem für ausländische Besucher überwältigende Erfahrung des Walds, der nicht nur ein malerisches Symbol ist, sondern vor allem auch Wildnis. Eine Wildnis, mit der Schwedens Bewohner eng verbunden sind und die auch in Zukunft ein wichtiger Teil des schwedischen Lebensgefühls sein wird. Im Süden stehen die Laubwälder, während in Mittel- und Nordschweden Nadelwälder aus Fichten- und Kiefernbeständen dominieren. Die schwedischen Waldgebiete sind vielfältig, allen gemein ist die Verbundenheit der Menschen mit der Natur und ihre Wertschätzung für sie. Das Leben in einer Symbiose mit den Wäldern hat für die Schweden lange Tradition. Ein Großteil des heutigen Waldes ist auf die eine oder andere Weise vom Menschen beeinflusst worden. Heute haben rund 100.000 Schwedinnen und Schweden den Wald als Arbeitsplatz.

Der älteste Baum der Welt steht in Schweden

Vor etwa elftausend Jahren, als die Eiszeit in Skandinavien zurückging, wuchsen die ersten Birken auf dem Boden von Skåne, im heutigen Südschweden. Etwas später tauchten die Kiefern in Schweden auf, darunter auch der älteste heute noch lebende Baum der Welt, Fulufjällsgranen, der mindestens 9500 Jahre alt ist.
Obwohl es sehr viel jünger ist, hat das moderne Königreich Schweden seine Wurzeln, zumindest symbolisch gesehen, in den Bäumen. 1520 unterstand Schweden in der so genannten Union von Kalmar dem dänischen Königs Kristian II. Ein großer Teil des schwedischen Adels wurde brutal getötet, und die Situation sah für die schwedischen Nationalisten schlecht aus. Dann begann der junge Adelige Gustav Wasa, der sich in den ländlichen Gegenden Dalarnas versteckte, Widerstand zu organisieren. Er nutzte den Wald und seine Skier, um vor den Dänen zu fliehen, woran bekanntlich beim heutigen Skiwettbewerb „Vasaloppet“ jedes Jahr erinnert wird. Sein Krönungstag, der sechste Juni, wird heute als schwedischer Nationalfeiertag gefeiert. Aber die Schweden billigten nicht, wie er das Land führte, insbesondere in Bezug auf Religion und Steuern, und rebellierten erneut. In Småland führte der legendäre Nils Dacke lange Zeit erfolgreich einen Guerillakrieg gegen Gustav Wasa. Er verstand es, den dichten Kiefernwald zu seinem Vorteil zu nutzen. Er scheiterte jedoch und wurde hingerichtet, heute gilt er als ein schwedischer Che Guevara.
Während des größten Teils ihrer Geschichte lebten und starben die Schweden in der Nähe des Waldes. Sie nutzten ihn zur Jagd und die Bäume zum Hausbau. Die Nähe des Waldes beeinflusste die Kultur, Werte und Überzeugungen der Menschen, die von ihm lebten. Besonders schlug sich dies im Volksglauben nieder, der Kirche und Regierung oft ein Dorn im Auge war.

Trolle und Ronja im Mattiswald

Die schwedische Folklore ist reich und populär. Sie diente oft dazu, das begreiflich zu machen, was damals von der Kirche oder der Wissenschaft nicht richtig erklärt werden konnte. Wenn zum Beispiel jemand ertrank, glaubte man, dass er vom Näck, einem Wasserwesen, das in Bächen und Waldflüssen lebt, entführt wurde. Für viele war dies eine bevorzugte Erklärung im Vergleich zu einem einfachen Unfall oder Selbstmord. Der Näck wurde oft als musikalisch begabter, nackter Mann porträtiert, mit erotischen Untertönen. Ähnliches gilt für das als Skogsrå (ungefähr: die Herrin des Waldes) bekannte Wesen. Sie lebt tief in den Wäldern und ist Herrscherin über wilde Tiere. Wenn es ihr gelingt, einen Reisenden zu verführen, gehört seine Seele ihr, und infolgedessen wird er Jagdglück haben, aber auch ein Mann weniger Worte werden. Mehr als jedes andere Wesen in der skandinavischen Folklore ist die Skogsrå mit dem Wald und allem, was in ihm lebt, verbunden: In Darstellungen hat ihr Körper tierische Attribute und einen hohlen Baum als Rücken. Die Waldgestalten haben einen festen Platz in der nordischen Literatur. Riesig und roh, leben zum Beispiel die Trolle dort, wo das Christentum noch nicht angekommen ist. Wie viele dieser Kreaturen sind Trolle nicht rein böse, sondern neigen dazu, Menschen zu entführen und zu verhexen. Einer der bekanntesten Dichter Schwedens, Gustaf Fröding, verwendete in seinem Gedicht Ett Gammalt Bergtroll einen Troll als Metapher für Entfremdung. Fröding, bestechend in seiner traurigen Beschreibung des Menschen oft mit der Natur als Kulisse, stammte selbst aus den grünen Tälern Värmlands und lebte zwischen 1860 und 1911.

Auch Smålands Wälder haben legendäre Schriftsteller hervorgebracht. Vilhelm Moberg wuchs unter ärmlichen Verhältnissen, tief in den Wäldern Smålands, auf. Dieses Umfeld begleitete ihn während seiner gesamten Autorenschaft, die in seinem dreiteiligen Auswandererepos Utvandrarna gipfelte. In dem schwedischen Klassiker fliehen der Bauer Karl Oskar und seine Familie vor der Armut des kleinen Dorfes in Småland in die Weite von Minnesota. Wie sein Protagonist war Moberg selbst hartnäckig und engagierte sich häufig in politischen Debatten. In gewisser Weise ist er der Archetyp des eigenwilligen Mannes aus Småland, wie auch IKEA-Gründer Ingvar Kamprad, der ebenfalls aus einem von dichtem Kiefernwald umgebenen Dorf stammte.

Auch die bekannteste schwedische Autorin war im Wald verwurzelt. Astrid Lindgrens Geschichten kreisten oft um das entbehrungsreiche Leben armer Bauern im historischen Småland, die vom Wald geprägt wurden; ihre Heldin Ronja Räubertochter wohnte gar im Mattiswald. Der Wald zieht sich wie eine rote Linie durch eine endlose Anzahl schwedischer Kulturwerke. August Strindberg, Selma Lagerlöf bis hin zu vielen modernen skandinavischen Krimi-Autoren haben sich von dieser einzigartigen schwedischen Landschaft inspirieren lassen. Der Geist des Landes wohnt im Waldweit entfernt vom Zentrum Stockholms, Göteborgs oder Malmös.

Foto: August Dellert/imagebank.sweden.se

Corona: Zuflucht zwischen Bäumen

Der schwedische Wald wächst jedes Jahr um etwa 20 Millionen Kubikmeter. Trotzdem ist er erschreckenden Bedrohungen ausgesetzt. So fingen im sehr trockenen Sommer 2018 riesige Flächen des schwedischen Waldes Feuer. Die Waldbrände, insgesamt über fünfzig, waren aggressiver und weitreichender als je zuvor in Schweden. Hilfe aus Europa wurde notwendig: Italienische Wasserbombenflugzeuge und Feuerlöschkräfte unter anderem aus Deutschland halfen, das sich ausbreitende Inferno endgültig zu besiegen. Doch der Schaden war bereits enorm: 25 000 Hektar Wald brannten ab, und das nationale Trauma dieses Sommers verstärkte das Gefühl der Dringlichkeit, wenn es um den Klimawandel geht. Einen Monat nach dem Höhepunkt der Brände begann Greta Thunberg ihren Protest gegen die Untätigkeit in Bezug auf den Klimawandel vor dem schwedischen Parlament.
Doch der Wald ist auch Trostort. Seit der Corona-Pandemie wenden sich immer mehr Schwedinnen und Schweden der Natur zu, um Erleichterung und ein Gefühl der Ruhe zu finden. Wenn die Welt unterzugehen scheint, kann ein Spaziergang im Wald als Abwehr gegen das Gefühl der Hoffnungslosigkeit dienen. Diese Zeit in der Natur zu verbringen, um das eigene Wohlbefinden zu steigern, nennt der Schwede friluftsliv, Freiluftleben. Dieses weit gefasste Konzept ist in Schweden seit langem von großer Bedeutung und in der Tat eine Quelle für das Wohlergehen der Bürger. Jeder dritte Schwede besucht wöchentlich den Wald, wobei die aktivste Altersgruppe Menschen zwischen 55 und 74 Jahren ist. Doch auch das Interesse der Jüngeren an Naturaktivitäten nimmt aktuell zu.

Der Schwede in seinem Wald: Sammeln und Jagen

Was tun die Schweden in ihrem Wald? Sie gehen nicht einfach nur spazieren. Schweden zählt 300.000 Jäger – das sind etwa so viele wie in ganz Deutschland, trotz der viel kleineren Bevölkerung. Der Jagdprozess ist stark reguliert, von der Waffenund Jagdlizenz bis zu der Frage, wo und wie viele Tiere einer Art man jagen darf. Man jagt in der Gruppe oder allein, und alles von kleinen Vögeln bis zu riesigen Elchen, im ganzen Land. Viele Schweden beschäftigen sich jedoch auch mit weniger gewaltsamen Waldhobbies. So gehört das Pilzesammeln im Herbst ebenfalls zum Repertoire im Grünen wie das Fischen, Vögelbeobachten, Orientierungsläufe oder das Schwimmen in idyllischen Waldseen.

Exportschlager Holz

Eines hat sich seit Jahrhunderten nicht geändert: Viele Schweden leben auch heute noch von ihrem Wald. Das Königsreich ist der weltweit zweitgrößte Exporteur verschiedener Waldprodukte wie Papier und bestimmten Formen von Schnittholz, meist in andere EU-Länder. Die Forstindustrie trägt mit zehn Prozent zum gesamten Warenexport des Landes bei und ist dabei zukunftsorientiert. Die Nachhaltigkeitsbemühungen in der Forstwirtschaft sind umfassend, Biokraftstoff aus dem Wald gilt als eine umweltfreundlich Alternative zu fossilen Energieträgern.
Jedes Land hat ein Verhältnis zur Natur, die durch die Jahrhunderte seine Kultur geformt hat. Schweden ist dabei nicht einzigartig. Im Unterschied zu anderen Ländern wird das Land von seinem Wald jedoch zum größten Teil überzogen. Vielleicht kann man sogar sagen, dass Schweden im Grunde von Bäumen bewohnt ist – mit Ausnahme der kleinen Ansammlungen von Menschen, die man manchmal im Wald findet. Dementsprechend ist das Bewusstsein für Umweltfragen in Schweden hoch. Die Natur ist unsere Quelle. Der Wald ist dabei der grüne Faden durch die Geschichte, Kultur und Wirtschaft Schwedens.

VON SEBASTIAN EKLUND

 

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