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17.05.2017

Zukunftstag: Digitalisierung schafft neue Geschäftsfelder

Zukunftstag: Digitalisierung schafft neue Geschäftsfelder

Ende des Jahres wird es mehr Smartphones als Menschen auf der Erde geben, prognostizieren Experten. Was bedeutet das für die Wirtschaft? Diese Frage beleuchteten die vier Redner des Zukunftstags der Schwedischen Handelskammer am vergangenen Freitag in Hamburg.

Im IKEA-Haus Altona, dem ersten Innenstadt-Store weltweit, konnten die über siebzig Teilnehmer von Google, Sandvik, Icomera und IKEA erfahren, wie vier sehr verschiedene Branchen die Digitalisierung meisten.

Thorsten Hermes, Head of Strategy & Digital Innovation bei Google, stellte gleich zu Beginn klar: „Google kann die Zukunft nicht vorhersagen“. Was die Suchmaschine aber weiß, ist, dass der Begriff „digitale Transformation“ seit März 2013 rekordartig in den Suchen der Nutzer anstieg – das Thema ist brandaktuell und das branchenübergreifend.

So berichtete Dr. Niklas Kramer vom schwedischen Industrieriesen Sandvik, wie digitale Lösungen das traditionelle Business aufwerten und erleichtern. In der Bergbausparte des Unternehmens führte man mehr als 150 automatisierte Maschinen mit über 25 Systemen weltweit ein. Das Resultat: nach einer Million Betriebsstunden musste Sandvik keinen Unfall verzeichnen, der unangenehme Arbeitsplatz unter Tage wurde durch einen Schreibtisch im Kontrollraum ersetzt.

Arbeiten wollten auch vier Studenten der Göteborger Technikhochschule Chalmers, die nach Stockholm pendelten. Doch im Zug gab es kein Internet, erzählte Henrik Rinnert, Beirat, die Geschichte seiner Icomera AB. Aus der Not wurde eine digitale Geschäftsidee geboren, heute setzt Icomera die Wifi-Lösung der Deutschen Bahn um und arbeitet mit verschiedenen Transportunternehmen in der ganzen Welt zusammen.

Die Reisenden in Zügen in Deutschland und Schweden könnten sich so beispielsweise schon auf ihren Einkauf bei Ikea vorbereiten. Deren Website fungiert als Multichannel-Hub, erklärte Christian Möhring, Web Channel Manager des schwedischen Möbelhauses. Vom Schlaftyptest auf der Website bis hin zur Virtual Reality Brille in der Möbelausstellung durchzieht die Digitalisierung auch den Einzelhandel bei IKEA. Dabei sei es wichtig, Angebote zu machen, die einfach nutzbar sind und intuitiv bedienbar, stellte Möhring fest.

Genutzt werden diese mit großer Wahrscheinlichkeit: die Vorhersagen sehen in Zukunft 50 Milliarden Geräte, vom Fernseher bis zur Glühbirne, die ans Internet angeschlossen sein werden. Thorsten Hermes sah darin viele Chancen für die Wirtschaft, das Wachstum von morgen zu sichern: „Die Unternehmen, die dann erfolgreich sind, werden die sei, die einen wahrnehmbaren Nutzen mit ihren digitalen Produkten anbieten“.

Einen ausführlichen Rückblick finden Sie in der nächsten Schweden Aktuell. Eine Bildergalerie des Zukunftstag und des nachfolgenden Business Dinner finden Sie hier.


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27.04.2017

5 Fragen an...


Marco Atzberger
Mitglied der Geschäftsleitung,
EHI Retail Institute


„Dem Omnichannel-Handel gehört die Zukunft“


Aufgrund der guten Wirtschaftslage in Deutschland könnte man annehmen, dass es auch dem Einzelhandel prächtig geht. Ist das so?
Die Wirtschaftslage in Deutschland ist gut, die Stimmung der Verbraucher ist gut und auch die Entwicklung im Einzelhandel ist gut. Die nominale Umsatzentwicklung in 2016 lag bei 2,3  Prozent nach 2,9 Prozent im Vorjahr. Für 2017 wird 2 Prozent erwartet. Deutschland hat den größten Einzelhandelsmarkt in Europa, dieser ist ausgesprochen stabil und die augenblicklichen Wachstumsraten von 2 Prozent und mehr locken auch ausländische Händler und Immobilieninvestoren an.
 
Vor wenigen Jahren wurde eine zunehmende Polarisierung des Einzelhandels in preisagressive Discounter und gehobene Angebote, die ein besonderes Einkaufserlebnis bieten, beschrieben. Hält dieser Trend zum "Verlust der Mitte" an?
Im Lebensmittelmarkt beobachten wir derzeit ein Trading-Up der Discounter. Besonders Aldi investiert in sein Ladendesign – speziell Regalsysteme, Kühlung und Licht, aber auch in seine Sortimente. Seit kurzem werden massiv Markenartikel angeboten, die früher nur im Supermarkt zu finden waren. Supermarkt und Discounter passen sich im Lebensmittelhandel an. In den anderen Kategorien setzen die preisaggressiven Formate ihre Expansion fort. Nehmen sie nur Primark. Die Kunden, die hier angelockt werden – mit denen können benachbarte Händler oft nichts anfangen. Grundsätzlich haben sich aber die Schnäppchenjäger zusätzlich ins Internet verlagert.
 
Zalando erzielte 2016 einen Umsatz von 3,64 Milliarden Euro, das ist mehr als der stationäre Umsatz von H&M. Mit welchen Konzepten begegnet der stationäre Einzelhandel dem offenbar unaufhaltsamen Wachstum des Versandhandels?
Um das einmal ins richtige Verhältnis zu setzen, Zalando erwirtschaftet die 3,6 Milliarden Euro weltweit, der weltweite Umsatz von H&M liegt bei ca. 23 Milliarden Euro. Trotzdem ist es faszinierend, wie schnell Zalando, aber auch natürlich Amazon ihren jeweiligen Umsatz aufbauen konnten. Im stationären Handel wächst man einfach so viel langsamer, weil man ja Ladenflächen benötigt und die sind in guten Lagen rar. Dieses Netz an Standorten, die Präsenz in den Städten, direkt beim Kunden, sind gleichzeitig der USP des stationären Handels gegenüber dem Onlinehandel. Eine intelligente Verbindung von online und stationär, ein abgestimmter Omnichannel-Handel ist die Zukunft. Deshalb kommen auch mehr und mehr die ehemaligen Pureplayer auf den Geschmack und eröffnen ihrerseits Geschäfte. Nach unseren Statistiken wachsen die Omnichannel-Händler heute schneller als die Pureplayer – wahrscheinlich sprechen wir in 10 Jahren nicht mehr von „stationärem Handel“ und „Online-Handel“ sondern nur noch von „Handel“.

Besondere Schwierigkeiten machen den kleineren Einzelhändlern in den Innenstädten ja oft die hohen Mietpreise. Müssten Immobilienbesitzer hier nicht viel flexibler reagieren, um eine Verödung der Innenstädte zu verhindern? Kennen Sie erfolgreiche stadtplanerische Ansätze gegen diese Verödungsgefahr?
In den letzten 20 Jahren hat der Handel massiv expandiert und die hohen Mietpreise sind Ausdruck von Angebot und Nachfrage. Ohne viel zu tun, konnten die glücklichen Besitzer von Handelsimmobilien in guten Lagen jedes Jahr Traumrenditen einfahren. Dieser Run ist jetzt zu Ende. Einzelhändler optimieren ihre Standorte und schließen auch, wenn ein Standort keinen Sinn mehr macht. Es ist zu erwarten, dass dies dann auch zeitversetzt in den Preisen festzustellen ist. Bemerkenswert sind Shopping-Center-Konzepte, die heute gemeinsam und nicht mehr gegen den Willen der Stadt umgesetzt werden, und die Investitionen und Kapital für die Stadt bedeuten, die diese selbst nicht aufbringen kann, z.B. in Hanau oder in Mannheim.
 
Sie kommen gerade von der EuroShop-Messe. Welches Thema, welchen Trend fanden Sie da persönlich besonders spannend?
Es ist bemerkenswert, wie Ladenbau und IT zusammenwachsen. Traditionell haben wir eine oder zwei Hallen nur für IT-Spezialisten. Bisher fanden Sie nur dort Themen wie Beacons und Store Navigation, Displays und Content Marketing, Mobile Payment und Kundenbindung. Plötzlich spielt dies auch alles im Ladenbau eine Rolle. IT und Ladenbau gingen auf der Messe eine Fusion ein, eben weil Omnichannel-Konzepte das Gebot der Stunde sind. Diese Ent- wicklungen in den Flächen der Messehallen werden wir demnächst  auch in den Flächen der Stores und Shops sehen.

Über das EHI: Das EHI Retail Institute ist ein Forschungs- und Beratungsinstitut für den Handel und seine Partner mit rund 60 Mitarbeitern. Sein internationales Netzwerk umfasst rund 750 Mitgliedsunternehmen aus Handel, Konsum- und Investitionsgüterindustrie sowie Dienstleister. Das EHI erhebt wichtige Kennzahlen für den stationären und den Onlinehandel, ermittelt Trends und erarbeitet Lösungen.


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Schwedischer UnternehmenspreisSeit 2003 wird der Schwedische Unternehmenspreis in Deutschland vergeben. Schwedische Unternehmen, die erfolgreich in Deutschland Wurzeln geschlagen haben, haben gute Chancen auf den Preis, der in drei Kategorien vergeben wird. Finden Sie hier alle Informationen rund um Bewerbung und Verleihung, das aktuelle Programm sowie ein umfassendes Bilderarchiv der vergangenen Jahre.  Mehr