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22.05.2018

Nachhaltigkeit ist die Botschaft


Fashion framtiden Sverige

Die Modeindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für Schweden. An ihr hängen zahlreiche Arbeitsplätze, vor allem im Kreativbereich, große und kleine Labels fördern mit ihren Designs das Bild eines modernen, trendbewussten Schweden im Ausland. Doch die Branche steht vor großen Herausforderungen. Die Herstellung von Kleidung ist aufwändig und umweltbelastend – tatsächlich ist nur die Ölindustrie schmutziger als die Textilindustrie.

Designer, Forscher und Produzenten arbeiten hart daran, die Modebranche nachhaltiger zu machen. Seit einigen Jahren bietet die Schwedische Botschaft diesen Projekten zu Beginn der Berlin Fashion Week eine Plattform. Im Januar ging es zuletzt um nichts Geringeres als „The Future of Fashion“, die Zukunft der Mode. Unter den Vortragenden fanden sich neue, spannende Unternehmen wie zum Beispiel Tierra, die sich auf nachhaltige Outdoorbekleidung spezialisiert haben oder Re:newcell, die Altkleider zu neuen Baumwollfasern recyceln. Smart Textiles aus Borås schafft es Kleidung aus Papier herzustellen und RISE präsentierte die Lösung für ein klassisches Problem der Modeindustrie – die Trennung und Wiederverwertung von Mischgewebe. 

 Fashion framtiden Sverige

Die Zukunft der Modeindustrie wird auch weiterhin ein Thema für die Schwedische Botschaft in Berlin bleiben. Bei der nächsten Fashion Week im Juli wird schwedische Mode durch das Netzwerk ACTE (European Textile Collectivities Association), bei dem die schwedische Textilstadt Borås den Vorsitz innehat, und, unter der Organisation von Visit Sweden, sogar auf der ZEITmagazin und Vogue-Konferenz vertreten sein. Im Januar 2019 werden dann die Themen Fashion Tech und Recycling im Zentrum stehen. Personen und Unternehmen, die sich für nachhaltige Mode interessieren und gern als Besucher oder Teilnehmer zu unseren Veranstaltungen kommen möchten, dürfen sich gern direkt an die Botschaft wenden.


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07.05.2018

CASH ODER KARTE? DER KAMPF UMS SCHWEDISCHE BARGELD

Die Schweden mögen kein Bargeld. Wer das Land in den letzten Jahren besucht hat, weiß das. Obwohl gerade neue Münzen und Banknoten eingeführt wurden, ist die Zukunft physischer Zahlungsmittel keineswegs sicher. Einkäufe werden zu 80 % mit Karten bezahlt, eine Steigerung auf 90 % ist bis 2020 zu erwarten. In nur zehn Jahren hat die im Umlauf befindliche Bargeldmenge um 35 % abgenommen. An dessen Stelle sind Kreditkarten und digitale Lösungen eingetreten. Warum?

In gewisser Hinsicht ist es keine Überraschung, dass gerade Schweden führend in der Umstellung zur bargeldlosen Gesellschaft ist. Die Schweden betrachten sich gern als fortschrittliche Menschen, die neue technologische Ideen und Lösungen mit Freude annehmen. Das Vertrauen in Banken, Behörden und das Rechtswesen ist groß, die Bereitschaft, sich auf deren Dienste in Form von digitalen Lösungen zu verlassen, auch wenn sie dadurch de facto abhängiger von ihnen werden, ebenfalls.

Doch es gibt auch praktische Gründe für die Vorliebe zur Kartenzahlung. Schweden ist ein dünn besiedeltes Land, in der die Mehrheit der Bevölkerung in wenigen Großstädten wohnt. Um den Bargeldzugang der Einwohner auf dem Land zu gewährleisten, muss eine große Menge Münzen und Scheine über lange Strecken transportiert werden – das ist kostspielig. Teuer sind auch die schwedischen Arbeitskräfte: ein Geschäft, das seine Kassierer durch Selbstbedienungs-Kassen ersetzt, kann große Summen sparen.

Es gibt also einen wirtschaftlichen Aspekt, warum die Schweden Bargeld so ungern nutzen. Die wichtigste Ursache ist jedoch, dass die schwedische Reichsbank 2005 die Bargeldhandhabung deregulierte. Damit wurde privaten Akteuren die Aufgabe übergeben, Scheine und Münze zu sortieren, zu authentifizieren und zu verteilen – eine kostenintensive Arbeit. Kritiker meinen, dass dieser Beschluss vor allem die Banken motivierte, die vermehrte Nutzung von Karten und digitalen Zahlmethoden zu fördern. Statt Scheine und Münzen zücken die Schweden deswegen heute Kreditkarten - und immer häufiger auch die Smartphone-App Swish, die von den sechs Großbanken gemeinsam etabliert wurde

Schweden probt den Bargeldaufstand

Doch die Kritik bleibt nicht aus. Vor drei Jahren gründete der ehemalige schwedische Reichspolizeichef Björn Eriksson den sogenannten „Bargeldaufstand“, eine lockere Zusammensetzung von Organisationen und Akteuren, die sich gegen die Entwicklung zur bargeldlosen Gesellschaft engagieren. Mitglieder sind unter anderem Rentnerorganisationen, Vereine und Kleinstunternehmen. „Wir finden die Entwicklung ein demokratisches Problem, weil große Gruppen marginalisiert werden“, sagt Eriksson. “Es handelt sich beispielsweise um Ältere, die mit Karten nicht umgehen können oder Menschen in Gebieten auf dem Land, die keinen Empfang haben und deswegen die Karten nicht benutzen können“, Der ehemalige Reichspolizeichef sieht in der Entwicklung einen aufgedrängten Prozess, der von den Banken angetrieben wird. Der Grund sei, dass die Bargeldhandhabung für die Banken kein Einkommen, sondern nur Kosten bedeute. „Man hat versucht, die Umgestaltung schneller und schneller zu durchzuführen, denn wenn genug Menschen keine Alternative mehr zu den Karten hätten, dann könnte man die Kartengebühren erhöhen.“, meint Eriksson. Die Zahlen geben ihm Recht: 2015 ergaben die Gebühren allein aus den Kartenzahlungen nach Berechnungen der schwedischen Nachrichtenagentur TT einen Gewinn von 750 Millionen Euro.

Auch die Verletzbarkeit der Systeme ist den Kritikern ein Dorn im Auge. Durch betrügerischen Missbrauch oder technische Fehler sind die digitalen Bezahlwege angreifbar. Im vergangenen Herbst erlebten die Kunden der Skandiabank, dass ihre Konten stundenlang leer standen, mit der Folge, dass viele Kunden keine Transaktionen oder Einkäufe machen konnten. Ende November bewirkte ein technischer Fehler bei der Swish-App, dass Kunden entweder keine Transaktionen machen konnten oder ihre Zahlungen gleich doppelt durchgingen. Solche Risiken bedeuten jedoch normalerweise keinen Verlust für die Kunden. Anders ist es bei Betrügern: Nach einer neuen Untersuchung stieg die Zahl der Kartenbetrüge im letzten Jahr um 17 %. Eine neue Methode dabei ist „Carding“ – der Verkauf von Banken- und Karteninformationen im Internet. „Heute kann man für 15 Euro eine falsche Karte und Prüfnummer kaufen, mit der Garantie, dass sie funktionieren wird“, erklärt Björn Eriksson. Die Kriminellen bleiben anonym, das Verbrechen wird seltener angezeigt. Laut Eriksson bekommt diese Art von Kriminalität wenig Aufmerksamkeit in den Medien, weil die Banken alle Information über Kartenbetrüge geheim halten und stattdessen einfach die Verluste der Kunden ersetzen – oft ohne diese über den Betrug zu informieren. „Die Verluste werden als Transaktionskosten betrachtet und präsentiert. Die Rentabilität ist so groß, dass man es tragen kann, selbst wenn man hohe Ausgleichskosten hat. Es lohnt sich trotzdem.“

Doch nicht alle glauben, dass die Banken hinter der Bargeldabschaffung stecken. Niklas Arvidsson, Forscher an der Königlichen Technischen Hochschule in Stockholm, glaubt, dass die Verbraucher die Kartenzahlung vorantreiben. „97 % der Geschäfte akzeptieren Bargeld, aber nur 18 % der Einkäufe werden bar bezahlt“, bestätigte er der Zeitung Computer Sweden. Auch die Gewerkschaften befürworten die Abwendung vom Cash, vor allem, weil weniger Bargeld weniger Überfälle auf Geschäfte mit sich führe. Dass die Entwicklung den Banken mehr Macht verschaffe, bezweifeln viele, die stattdessen in der neuen Technik Möglichkeiten für neue und kleinere Unternehmen sehen, neue Zahlungsdienste anzubieten. Die Konkurrenz unabhängiger Akteure könnte das Währungssystem demokratisieren. Klarna macht das bereits vor: Das Unternehmen bietet Zahlungslösungen im E-Commerce an und trägt das Kredit- und Betrugsrisiko im Onlinehandel. Dem Verbraucher wird die Möglichkeit gegeben, die Waren zu Hause zu prüfen und erst danach im Internet zu bezahlen – was größere Sicherheit für Käufer und Verkäufer bedeutet.

Auch wenn die Folgen des Kampfs um das Bargeld noch nicht absehbar sind, die Frage um die Zukunft der Münzen und Scheine wird immer intensiver diskutiert. Im Herbst 2016 wurde eine parlamentarische Kommission etabliert, um den Bargeldzugang auch zukünftig sicher zu stellen. Die Regierung hat auch neue Gesetze nicht ausgeschlossen. Der „Bargeldaufstand“ weiß schon, welche Veränderungen durchgeführt werden müssen: „Zuerst soll man keine Banklizenz haben dürfen, wenn man sich nicht auf eine angemessene Weise mit Bargeld befasst“, verlangt Björn Eriksson. Auch fordert er, dass die schwedischen Gemeinden keine finanziellen Dienstleistungen von Banken kaufen, wenn diese keine Bargeldhandhabung anbieten – dann würde das Problem in drei, vier Wochen gelöst werden, ist er sich sicher. „Außerdem müssen die Banken die Betrugskosten veröffentlichen, statt diese als Transaktionskosten zu verstecken“, drängt Eriksson.

Bargeldlos im Jahr 2023?

Wie die Zukunft sich gestalten wird, ist unklar. Nach neuer Forschung könnte Bargeld schon 2023 abgeschafft werden, wenn sich der jetzige Trend fortsetze. Vortreter der schwedischen Reichsbank glauben jedoch, dass Bargeld „in absehbarer Zeit“ bleiben werde. Björn Eriksson und der „Bargeldaufstand“ sehen den Bargeldzugang sogar als relevante Frage bei der Reichstagswahl im September: „Der Abstand zwischen Politikern und den Menschen, die leidtragend sind, haben dies zu einer politischen Frage gemacht – was es schon lange hätte sein sollen. Der große Fehler war ja, dass Schweden als das einzige Land in Europa das Recht abschaffte, gesetzliche Zahlungsmittel immer verwenden zu dürfen.“

Von Daniel Nilsson

 


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