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08.02.2018

// Goldene Zeiten für die Gastronomie



von Daniel Nilsson

Schweden war lange ein schwieriger Markt für die Gastronomiebranche. Die Schweden wollten eher ihr eigenes Essen zu Hause kochen, die Berufstätigen brachten Brotdosen zur Arbeit mit, und für viele war das Restaurant einfach zu teuer. Auch die Kultur des Social Drinkings, des Kneipenbesuchs mit Freunden, war in Schweden aufgrund der Alkoholpolitik nie sehr entwickelt.  Heute ist die Gastronomie einer der am schnellsten wachsenden Märkte in Schweden. Was ist geschehen? Dank Steuersenkungen und veränderten Essgewohnheiten ist die Branche erblüht; der Durchschnittsschwede speist immer öfter in Restaurants, neue Ketten etablieren sich rasch, die schwedischen Restaurantbesucher entdecken und schätzen kulinarische Traditionen aus der ganzen Welt.
Auf der anderen Seite wird ein immer kleinerer Teil des Einkommens für Essen ausgegeben. Gab man 1988 noch 18 % des Einkommens für Lebensmittel aus, waren es 2012 nur noch 12 %. Im gleichen Zeitraum stiegen die Ausgaben für Essen im Restaurant um 10 % pro Person. In den letzten 10 Jahren wurden in Stockholm mehr als 600 Restaurants eröffnet!
Die größte Veränderung setzte vor fünf Jahren ein, als die Mehrwertsteuer für die Restaurantbranche halbiert wurde. Das Ergebnis ist erstaunlich: Bis 2015 stieg der Branchenumsatz um 5 %, seitdem steigt er jährlich genauso viel. Obwohl die Schweden also heute weniger Geld für Lebensmittel ausgeben, auch aufgrund niedrigerer Lebensmittelpreise, gehen sie viel häufiger ins Restaurant als früher. Dank der großen Nachfrage nach kulinarischen Erlebnissen können sich neue Unternehmen einfacher etablieren. In den letzten Jahren haben bekannte amerikanische Franchisegeber wie KFC, Domino´s und Starbucks ihre ersten Restaurants und Cafés geöffnet; die erfolgreichste Gastronomieform sind zurzeit die Fastfood- und Franchise-Ketten.


Fastfood ja – aber gesund muss es sein

Die Essgewohnheiten des schwedischen Restaurantbesuchers drehen sich aber nicht länger nur darum, wo man isst, sondern auch darum, was auf den Teller kommt. Ungesundes Fastfood kommt bei den meisten Schweden nicht gut an, ebenso wenig die traditionellen schwedischen Gerichte – die gibt es schon am heimischen Herd. Wer ins Restaurant geht, sucht nach einer neuen Esserfahrung. Dabei vor allem wichtig: Es soll gesund sein. Erfolg auf dem schwedischen Gastronomiemarkt erreicht man also durch Anpassung an diese Trends. Deswegen setzen viele Ketten auf vegetarische und umweltfreundliche Produkte. 2016 führte die Hamburgerkette Max fünf neue vegetarische Burger in das Menü ein. Der Erfolg war erstaunlich: Jeder vierte verkaufte Burger war vegetarisch, in manchen Restaurants sogar der Großteil.


Auch die Haute Cuisine ist erfolgreich

Auch Fernost ist seit Jahren auf dem schwedischen Speiseplan beliebt. Nudeln, Wok und indisches Essen ist populär; König der schwedischen Gastronomie-Kultur ist jedoch die japanische Spezialität Sushi. Die kleinen Reisbällchen werden bei allen Gelegenheiten genossen – an Werktagen wie an Feiertagen.

In den letzten Jahren hat es auch das Konzept Fine Dining in  das schwedische Bewusstsein geschafft. Viele schwedische Gourmetköche erregen weltweit Aufsehen, oft durch ihre von der internationalen Cuisine beeinflusste, klassische schwedische  Gastronomie. Vor nur vier Jahren waren 13 Restaurants in  Schweden im Guide Michelin geführt; heute können 23 Restaurants mindestens einen Michelin-Stern verbuchen. Unter den berühmtesten Köchen findet man u. a. Mathias Dahlgren, der als erster Schwede den internationalen Kochwettbewerb Bocuse d’Or – die Kochweltmeisterschaft – gewann, und Björn Frantzén, dessen Restaurant Frantzén in Stockholm als zwölfbestes der Welt bewertet wurde. Dieses Restaurant hat er zwar Ende 2016 geschlossen, aber er hat gerade ein neues, fünfmal größeres eröffnet. Nicht nur Restaurants profitieren von den neuen Gastrogewohnheiten. Auch die Lieferserviceunternehmen verdienen in Schweden gut an der Bequemlichkeit der Konsumenten. Dank der Digitalisierung muss man nicht länger in die Restaurants gehen, sondern kann mit einem Klick auf das Handydisplay sein Essen einfach nach Hause bestellen. Durch Lieferunternehmen wie Foodora, Wolt und Uber Eats haben die schwedischen Verbraucher die Freuden der amerikanischen Lieferservicekultur für sich entdeckt. Im letzten Jahr wuchs der Marktführer Foodora um mehr als 50 % – pro Monat!


Herausforderungen des Wachstums

Das wachsende Interesse an Gastronomie und die rasche Marktveränderung sind nicht ohne Herausforderungen. Die Zahl der Konkurse hat in den letzten Jahren zugenommen. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum im vorigen Jahr sind zwischen Januar und September dieses Jahres 22 % mehr Restaurants in Konkurs gegangen. Wenn so viele neue Unternehmen während eines kurzen Zeitraums aufgemacht werden, wird die Konkurrenz oft für viele zu hart. Ob der Markt übersättigt worden ist, ist noch schwer zu beurteilen. Neue Unternehmen werden immer noch massenhaft etabliert – und so können sich die Schweden auch in den kommenden Jahren sicher über immer neue gastronomische Neuheiten und Erfahrungen freuen.


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24.01.2018

// Innovation kommt aus Europa

Ungarn, Polen, Katalonien, Trump und der Brexit – die EU steht unter Druck an vielen Fronten. Was bedeutet das für die Wirtschaft und wie wirken sich die politischen Strömungen auf Unternehmen aus? Das war die Frage, der die Panelisten des Jahresauftakts der Schwedischen Handelskammer in diesem Jahr nachgingen.

„2016 war ein annus horribilis für Europa“, stellte Robert Butschen von der IHK Düsseldorf in seinem Impulsvortrag fest. Das Resultat sei jedoch gewesen, dass Europa näher zusammengerückt sei, eine Rückbesinnung auf die EU im letzten Jahr stattgefunden habe. Die Wahlen in Frankreich und den Niederlanden seien erfreuliche Zeichen für Pro-Europäer gewesen. Dies spiegele sich auch deutlich im Außenhandel wider. Der wachsende Protektionismus habe weniger Auswirkungen als erwartet „Europa erlebt ein Comeback als Partner, besonders auch Südeuropa“, konstatierte Butschen.

„Freiheit, Freizügigkeit und Frieden“, waren einige der Hauptbegriffe, die die Gäste des Jahresauftakts angaben, als sie in einer Liveumfrage zu Beginn der Veranstaltung zu ihren Assoziationen zu Europa befragt wurden. Und auch die Frage nach der Lage der Union in zehn Jahren beantworteten die Gäste optimistisch. Eine weitere Desintegration werde es eher nicht geben, allenfalls eine individuellere Entwicklung in einem „Europa der zwei Geschwindigkeiten“.

Forschung und Entwicklung findet in der EU statt

„Europa ist unsere Heimat“, befand Olaf Reus (Ericsson) unumwunden. Auch, wenn der Umsatz, den Ericsson in Europa mache, gesunken sei, so habe der Konzern 40 % seiner Mitarbeiter in Europa. Besonders das Thema Innovation sei fest in Europa verankert: 70 % der Investitionen in Forschung und Entwicklung würden in Europa getätigt. Auch Stephan Ketteler (Epiroc/Atlas Copco) betonte, dass die benötigte Technik hauptsächlich aus Europa, nämlich aus Schweden stamme.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wandelten sich die Strategien gerade, berichtete Ketteler. Epiroc setze verstärkt auf lokales Personal statt Expats zu entsenden und treibe die dringend nötige Diversifizierung aus Europa heraus.

Die offenen Grenzen und der gemeinsame Binnenmarkt der Europäischen Union seien für Wirtschaftstreibende ein gutes Umfeld, doch die Panelisten bemängelten die aktuellen Rahmenbedingungen. Europa müsse funktionieren, dazu gehöre auch, dass Deutschland mit am Verhandlungstisch säße. Während der andauernden Regierungsbildung sei die deutsche Beteiligung gehemmt. Die EU biete viele Chancen, wirkte aber momentan handlungsunfähig. Nötig für die Wirtschaft sei Klarheit bei den vielen anstehenden Themen, die Unternehmen verunsicherten.

Schweden ein Musterbeispiel im Angebot für ausländische Unternehmen

Der Handel zwischen Deutschland und Schweden profitiere jedoch von den bilateralen Bemühungen der Regierungen, die sich unter anderem in der neuen Innovationspartnerschaft niederschlügen. Der Außenhandel mit Schweden floriere, bestätigte Robert Butschen, und gehe stetig bergauf. Auch Regulierungen habe das Land so gelöst, dass Unternehmen unkompliziert durch die Prozesse geführt werden: „Was ausländischen Firmen in Schweden geboten wird, ist musterhaft für Europa“.

Auch das Schreckensgespenst Brexit beschäftigte die Teilnehmer des Jahresauftakts. Der Austritt würde nicht durchgehen, glaubten Vertreter aus dem Publikum, da bereits jetzt der Handel stagniere. Britische Firmen äußerten den Wunsch, wieder beizutreten. Robert Butschen war sich sicher, der Austritt der Briten das Auseinanderdriften der Union auch positiv beeinflussen könnten: die schwierigen Verhandlungen über den Brexit dienten als Warnung an andere kritische EU-Mitgliedsstaaten, diesen Weg nicht zu beschreiten.

 


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Schwedischer UnternehmenspreisSeit 2003 wird der Schwedische Unternehmenspreis in Deutschland vergeben. Schwedische Unternehmen, die erfolgreich in Deutschland Wurzeln geschlagen haben, haben gute Chancen auf den Preis, der in drei Kategorien vergeben wird. Finden Sie hier alle Informationen rund um Bewerbung und Verleihung, das aktuelle Programm sowie ein umfassendes Bilderarchiv der vergangenen Jahre.  Mehr