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// Jonas Arnberg: „Der lokale Einzelhandel braucht digitale Strategien“

// Jonas Arnberg, Chefökomon des Schwedischen Einzelhandelsverbandes:
„Der lokale Einzelhandel braucht digitale Strategien“

Der Verband Svensk Handel vertritt die schwedischen Handelsunternehmen in Arbeitgeberfragen und gegenüber der Politik. Als größte Mitgliedsorganisation schwedischer Unternehmen organisiert Svensk Handel 12.000 Mitgliedsfirmen mit dem Ziel, den Handel zu stärken und die Rentabilität der Mitgliedsunternehmen zu verbessern. Durch den stark wachsenden Onlinehandel verändert sich  die Situation des Einzelhandels gegenwärtig immens.

1. Wie wird der stationäre Einzelhandel vom wachsenden Onlinehandel beeinflusst?
Die Voraussetzungen für den Einzelhandel haben sich durch die Digitalisierung radikal verändert. Da gibt es zum einen die harte Konkurrenz durch den die Preise drückenden Onlinehandel. Zum anderen eine unerhörte Transparenz; die Konsumenten können sich vor dem Einkauf alle Preisvergleiche und Informationen besorgen und sind so sehr kompetent. Durch die Smartphones geht das ja auch vor Ort im Geschäft.

2. Welche Branchen werden besonders von dem erhöhten Wettbewerb durch den Onlinehandel beeinflusst?
Bücher, Elektronikwaren und Bekleidung sind die größten Bereiche des Onlinehandels, sie sind einem kräftigen Preisdruck ausgesetzt. Die Zukunft kann dennoch für den lokalen Handel auch in diesen Bereichen sehr gute Perspektiven bieten, aber für sie ist eine digitale Strategie besonders wichtig. Das beinhaltet nicht notwendigerweise einen eigenen Onlinehandel, doch es ist unumgänlich, eine digitale Präsenz anzubieten.     
 
3. Wie sieht die Zukunft für den stationären Einzelhandel aus und vor welche Herausforderungen wird der Handel gestellt werden?
Das gleiche Problem gilt in Schweden wie in Deutschland: Der traditionelle Einkauf wird vom Onlinehandel verdrängt; dadurch werden viele kleine Geschäfte schließen müssen. Man spricht vom sogenannten „Geschäftssterben“.  Ich glaube nicht, dass die Konsumenten im Grunde auf Distanz einkaufen möchten, aber man mag es eben doch, digital einzukaufen. Dies können aber auch die physischen Vertriebsketten anbieten. Die Einbindung von digitalen Elementen in den Kaufprozess des Kunden ist eine Notwendigkeit. Es gibt große Möglichkeiten für den Handel, da effektiver zu werden – schließlich gibt uns die Digitalisierung auch mehr Informationen über die Kunden. Der Handel kann analytischer werden und die richtige Waren zur richtigen Zeit am richtigen Platz vorhalten.  

4. Was heißt das konkret?
Nun, mit Hilfe von „Big Data“, hauptsächlich mit Statistiken über das Konsumentenverhalten, wird der Handel bessere Entscheidungsgrundlagen haben. Das betrifft den Einkauf, Verkaufsprognosen, die Logistik usw. Der Handel kann präzisere Bestellungen aufgeben und auf diese Weise Lagerüberhänge vermeiden, die dann über Angebote verramscht werden müssen. Diese Entwicklung bietet Vorteile für den Handel, den Verbraucher und einen nachhaltigeren Konsum.  

5. Wie wird sich das Stadtbild durch die Krise des lokalen Einzelhandels verändern?
Wir sehen aktuell, dass viele kleine Handelsunternehmen beeinträchtigt werden. Ich glaube jedoch, dass die Digitalisierung neue Konzepte mit sich bringen wird, die das urbane Flair retten können. Mit einer digitalen Strategie kann es in den Stadtteilen, in denen die Menschen sich bewegen, sehr attraktiv für größere Ketten sein, effektive Minigeschäfte zu eröffnen, wo die Leute ihre online bestellten Produkte abholen können.