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News
12.11.2019

// IoT ist in der Praxis angekommen – und verändert ganze Unternehmensstrategien

Das Internet der Dinge, also die intelligente Verknüpfung von Gütern mit dem Internet, eröffnet der Industrie immer mehr faszinierende Möglichkeiten und greifbare Vorteile. Was noch vor ein paar Jahren manchem wie technikverliebte Spielerei vorkam, ist längst in der Wirklichkeit auch der mittelständischen Wirtschaft angekommen.

Dabei geht es neben den eigentlichen Produktinnovationen meist auch um Marketing und Kundenbindung. Denn die IoT-Lösung wird oft als Abomodell angeboten, man behält also aktiven Kundenkontakt und sammelt zugleich Informationen über das Nutzungsverhalten der Kunden. Auf diese Weise kann die „Denksweise IoT“ ganze Geschäftskonzepte umkrempeln. Denken Sie nur an den Volvo-Ansatz, Autos nicht mehr einfach zu verkaufen, sondern quasi im Abo anzubieten – kompletten Service inklusive. Das senkt die Schwelle hoher Anschaffungskosten und garantiert engste Kundenbindung.

Diese Doppelperspektive aus technischer und strategischer Innovation ist typisch und findet sich in ganz unterschiedlichen Branchen, wie aktuelle Praxisbeispiele aus in Deutschland aktiven schwedischen Unternehmen zeigen.

Zum Beispiel: Aufzüge
Hydroware ist ein Anbieter hydraulischer Aufzuglösungen aus Schweden. Mit einem innovativen Servoventil ist es den Ingenieuren gelungen diese Antriebsart, bei der die Liftkabine durch ölgefüllte Kolben bewegt wird, radikal zu modernisieren und den Energieverbrauch um bis zu 50 % zu senken. Weitere Energieoptimierung ist nur einer der Gründe, warum Hydroware seine Aufzüge nun Daten ins Netz senden lässt. So kann der Eigentümer erkennen, wenn der Aufzug auf bestimmten Strecken besonders viel Strom verbraucht – und dies analysieren. Auch Störungen sind sofort ersichtlich. Ferndiagnosen sparen Arbeitskosten und helfen, Probleme schnell zu beseitigen. Ausfälle und Fehler werden durch Ferndiagnose vermieden, der Service wird nur benötigt, wenn tatsächlich repariert werden kann. Oft kann die Störanfälligkeit sogar im Voraus erkannt werden und größere Reparaturen lassen sich ganz verhindern. Die IoT-Lösung liefert den Aufzugbetreibern also interessante Zahlen zum Nutzungsverhalten und zu Verbrauchswerten und hilft, Störungen rasch zu beheben oder zu verhindern und noch mehr Energie zu sparen. Und für den Hersteller Hydroware liefern die Daten neben den Einnahmen aus den Aboverträgen wertwolle Grundlagen, um die Produkte weiter zu optimieren. Interessant ist das Ganze vor allem für Kunden, die mehrere Aufzüge besitzen oder verwalten.

Zum Beispiel: PKW
Im Zuge der technischen Entwicklung hat Volvo ständig neue Wege gefunden, um Autobesitzer mit ihren Fahrzeugen zu vernetzen. Alles begann mit Volvo On Call (VOC), einer bahnbrechenden App, die neben vielen anderen Remote-Funktionen auch die Fernkontrolle und -steuerung des Volvo-Autos ermöglicht. So ließ z.B. die Möglichkeit, die Autoheizung schon aus dem warmen Haus heraus zu aktivieren, die Verkaufszahlen der Technik enorm ansteigen.  Darüber hinaus ist VOC ein integrierter Notfall- und Pannenhilfeservice. VOC ermöglicht auch eine mobile Breitbandverbindung des Fahrzeugs mit dem Internet über 3G/4G. Dadurch wird das Auto in einen WiFi-Hotspot verwandelt, auf den jeder Insasse im Auto zugreifen kann. Die Verbindung von SIM-Karte und Auto war letztlich auch die Grundlage für die aktuell mit viel Werbeaufwand beworbene Idee, einen Volvo nicht mehr einfach zu kaufen (und dann als Kunde unabhängig zu sein), sondern zu abonnieren. Ein radikal neuer Gedanke: die Kunden zahlen einfach eine Monatsrate und alles – außer Tanken oder Laden – ist inklusive. Das Ganze lässt sich jederzeit mit einer Frist von 3 Monaten ändern und so z.B. an veränderte Bedürfnisse anpassen.

Zum Beispiel: Gartenbewirtschaftung
Auch Husqvarna, global agierender Hersteller von Werkzeugen für den Außenbereich, hat zunächst das Naheliegende getan und – beispielsweise – seine Mähroboter mit einer SIM-Karte und einer Software-as-a-service-Lösung versehen. Schon seit 2015 ermöglichen es die neuen digitalen Dienste, die Mähroboter über eine App zu steuern und mit ihnen zu interagieren. Es folgte die Einführung des Gardena Smart-Systems, einer Art Smart-Home-Lösung für den Garten, das u.a. Rasenpflege und Gartenbewässerung vernetzt und die Steuerung sogar von unterwegs aus möglich macht.

Nach diesen technischen Innovationen machten sich die Schweden Gedanken, wie man die Möglichkeiten des Internets der Dinge noch radikaler nutzen könne, um die Kundenbasis zu erweitern und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ähnlich wie im PKW-Bereich, so ergab die Analyse, stellen Anschaffungskosten und das Problem der Unterbringung für viele Kunden Hürden da. Warum soll man ein Gerät, dass man nur einige Male im Jahr benötigt, nicht einfach ausleihen?

Im Mai 2017 führte Husqvarna die Battery Box ein, ein kundenspezifischer „Werkzeugkasten“-Transportcontainer. Das erste Testmodell der Battery Box wurde im Parkhaus eines Einkaufszentrums am Stadtrand von Stockholm aufgebaut. Die Battery Box hebt sich dadurch von einem herkömmlichen Geräteverleih ab, dass der gesamte Mietvorgang vollständig automatisch abläuft. Alles von der Buchung, über die Abholung bis zur Bezahlung wird über eine App abgewickelt, die digital mit dem eigentlichen Battery Box Shop kommuniziert. Mit der App weiß der Kunde, wann das Gerät, für das er sich interessiert, vorrätig ist, und wann es wieder zurückgegeben werden muss. Wenn der Kunde an der Battery Box ankommt, verwendet er seine BankID im Smartphone, um das Schließfach mit dem Gerät zu öffnen. Der Vorgang wird am Ende des Mietzeitraums wiederholt, wenn der Kunde die Geräte wieder in einem sicheren Schließfach abstellt. Bei der Rückgabe werden die Geräte von Mitarbeitern des nächstgelegenen Husqvarna- Fachhändlers inspiziert, um sicherzustellen, dass alle Geräte stets in einwandfreiem Zustand sind.

Die Kunden können also Husqvarna-Geräte einfach testen oder sie auch immer nur dann mieten, wenn sie sie benötigen. Die Zahl der Husqvarna-Nutzer wird so deutlich erhöht; mit den registrierten Nutzern kann das Unternehmen kommunizieren.

Co-Lab ist Voraussetzung für den Erfolg
Die Husqvarna-Strategen hatten eine gute, branchenspezifische Idee – doch die Art, wie sie diese innerhalb von nur sechs Monaten umsetzten, dürfte auch für viele andere Unternehmen interessant sein. Petra Sundström, Direktorin für Ideen- und Innovationsmanagement bei Husqvarna gibt folgenden Rat: „Der effektivste Weg, wie ein Unternehmen mit digitalem Wandel erfolgreich wird, ist die Aufstellung eines Expertenteams. Ohne ein Ökosystem aus kompetenten Partnern wäre diese Art von Projekt nicht möglich gewesen.“

Wie viele andere Unternehmen heutzutage auch, sieht sich Husqvarna vielfältigen Herausforderungen gegenüber. Auf dem Weg zur Digitalisierung setzt sich Husqvarna gleichzeitig mit neuen Geschäftsmodellen, neuen Produkten und neuen Kunden auseinander. Die meisten Firmen sind nicht in der Lage, solch ambitionierte Ziele aus eigener Kraft zu stemmen. Für den Erfolg im Bereich IoT braucht es ein symbiotisches System aus spezialisierten und fachkundigen Partnern, die jeweils selbst an Innovation interessiert sind. So gab es mit Telenor Connexion einen Partner für die IoT-Cloud, mit dem Unternehmen Flex einen Partner für den Container, HIQ entwarf die App, mit der Kunden die Geräte buchen und bezahlen und zugleich Anleitungsfilme abrufen können und Zuora lieferte die Abonnements-Verwaltungslösung. Die Essenz dieser Fallstudie: sich sehr frühzeitig ein gemeinsames, vernetztes Entwicklungsteam aus externen Experten zusammenzustellen ist sehr förderlich – Telenor Connexion nennt diesen Ansatz ein „kooperatives Ökosystem“. Ein hauseigenes Managementteam bekomme frühzeitig Verstärkung von den richtigen Partnern von außen, die sich auf die benötigte Technologie und die entsprechenden Leistungen spezialisiert haben. „Dieses Ökosystem-Modell erfordert eine offene Herangehensweise an die Projektstruktur und Projektverantwortung“, weiß Christian Schmidt, Kammermitglied und Ansprechpartner von Telenor Connexion für die deutschen Kunden. „Aber nur so ist es heute möglich, ambitionierte IoT-Projekte innerhalb kurzer Fristen zu realisieren.“

Alle drei Beispiele zeigen: Wer sich – egal in welcher Branche – auf den Weg macht, das Internet der Dinge zu nutzen, hat einen spannenden Weg vor sich, der vor allem auch das Potential bietet, das Kundenverhältnis auf ganz neue Basis zu stellen. Vor Auswirkungen auf die Gesamtstrategie sollte man dabei ebenso wenig Angst haben wie vor der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit externen Partnern. Schwedische Unternehmen mit ihrer ausgeprägten Co-Lab-Einstellung machen es vor!


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11.11.2019

// WO SEGELN VOLKSSPORT IST

Ein Segeltörn beschäftigte die halbe Welt: die Schwedin Greta Thunberg schipperte über den Nordatlantik. Es wurde viel darüber diskutiert, ob dies mehr sei als ein – zweifellos wirkmächtiger – PR-Coup. Dabei blieb jedoch ein Aspekt unbeleuchtet: In Schweden ist das Segeln ein echter Volkssport und der Gedanke, auf diese Weise auch größere Distanzen zu überwinden, keineswegs abwegig.


Foto: Simon Paulin/imagebank.sweden.se

Das Land hat 3.218 km Küste. Addiert man alle Buchten und Landzungen, sind es gar 8.000 km Küstenlinie. Große Abschnitte davon sind Schärengebiete, die sich hervorragend zum Segeln anbieten. Es gibt so viele kleine Inseln mit Naturhäfen, dass sich auch in der Hochsaison meist mühelos ein schöner Platz finden lässt. Über 60.000 Inseln zählt das Land, die Hälfte davon im Stockholmer Schärengürtel. Neben dieser so abwechslungsreichen Küstenlinie finden sich zahlreiche und ausgedehnte Binnenreviere mit unglaublichen 95.000 schiffbaren Seen. In vielen steht den Seglern eine hervorragende Infrastruktur zur Verfügung. In Schweden gibt es über 1.500 Freizeithäfen, 400 davon sind qualifizierte Gasthäfen. Besonders reizvoll ist die Möglichkeit, das Land von West nach Ost über Kanäle zu durchqueren. Der Vänern ist mit 5.650 km² der größte See der Europäischen Union, ein regelrechtes Binnenmeer. Durch den Göta-Kanal ist der Vänern sowohl mit der Ostsee als auch mit dem Skagerrak verbunden. Zusammen mit dem Trollhätte-Kanal und dem Göta älv bildet er eine 390 km lange Wasserstraße quer durch Schweden, die einen Höhenunterschied von 91,5 m überwindet. Andere kleinere Kanäle wie der Dalslandkanal summieren sich auf insgesamt 1000 km und sind oft echte Geheimtipps.

Zugänglich für jedermann
In den Häfen liegen kleine und große Yachten ganz selbstverständlich nebeneinander. Fast jeder kann sich das Segeln leisten, ein Segelschein ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Wer sich traut, mietet oder kauft sich ein Boot und segelt los. Navigationskünste sind allerdings erforderlich. Besonders tückisch sind in vielen schwedischen Gewässern Untiefen, Bereiche mit geringer Tiefe unter der Wasseroberfläche. Jeder Segler sollte deswegen ein Navigationsgerät (GPS) und Seekarten dabeihaben. Es gilt das Allemansrätt.

Und die Schweden sind echte Wasserratten: Ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung des Landes fährt mindestens einmal in der Saison mit einem Freizeitboot. Es gibt gut 1.000 Bootclubs mit 250.000 Mitgliedern. So eine Massenbewegung ist natürlich auch ein Wirtschaftsfaktor: Schwedens Bootsindustrie bietet Exporteinkommen und Arbeitsplätze, nicht zuletzt in dünn besiedelten Gebieten. Auch der Segeltourismus stellt für die Häfen eine wichtige und zunehmende Einnahmequelle dar. Laut dem Verband der Gasthäfen (RGS) wurden allein durch die Übernachtungen in den Gasthäfen 2017 gut 90 Millionen Euro erwirtschaftet; mehr als ein Drittel davon durch ausländische Boote.

Die schwedische Bootsindustrie produzierte 2017 Boote für gut 120 Millionen Euro, mehr als die Hälfte davon gingen in den Export. Der Anteil der Segelboote ist mit 283 Stück hier allerdings überschaubar, den Löwenanteil machen kleine und mittlere Motorboote aus. Die Bootsindustrie ist besonders deswegen wichtig für Schweden, weil sie häufig in eher beschäftigungsarmen Gebieten wie Orust /Tjörn, Gotland, Värmland, Småland und an einigen Orten in Norrland angesiedelt ist. Ungefähr 4.000 Menschen sind direkt in der schwedischen Bootsindustrie beschäftigt, mit Subunternehmern und indirekten Faktoren wird die Gesamtzahl auf rund 12.000 Menschen geschätzt, die von der Bootsindustrie leben.

Die bekannteste Werft ist deutsch-schwedisch
Eine der bekanntesten Werften für Segelboote, Hallberg-Rassy, hat eine schwedisch-deutsche DNA. Das Unternehmen geht zurück auf zwei konkurrierende Werften des Schweden Harry Hallberg und des am Starnberger See aufgewachsenen Deutschen Christoph Rassy, der Anfang der siebziger Jahre die bereits weltweit erfolgreiche Hallberg-Werft kaufte. Hallberg-Rassy steht für robuste Konstruktion, ein gut geschütztes Cockpit, schöne Holzarbeiten und einen klassischen Stil mit hohem Wiedererkennungswert.

Schweden und Segeln, das gehört also eng zusammen. Greta Thunberg, könnte man mutmaßen, hat es eben einfach in den Genen. 

Volvo Ocean Race heißt jetzt The Ocean Race
Auch das passt zur Seglernation Schweden: seit vielen Jahren ist Volvo Sponsor einer der härtesten Regatten der Welt. Alle drei Jahre führt sie einmal um die ganze Welt, startet im Herbst in Europa, durch den Atlantik, umrundet Afrika am Kap der Guten Hoffnung, führt durch den Indischen Ozean über den Südpazifik und rund um Kap Horn nach Süd- und Nordamerika und von dort wieder zurück nach Europa. Aufgrund der Wind- und Wetterverhältnisse, vor allem im Südpazifik (Wellenhöhen von 30 m und Windgeschwindigkeiten von 110 km/h), gilt die Regatta als eine der schwierigsten Herausforderungen im Segelsport. Die Regatta wird in Etappen durchgeführt. Insgesamt sind je nach Anzahl und Wahl der Etappenziele 24.000 Seemeilen (etwa 45.000 km) bis 45.000 Seemeilen zurückzulegen. Aktuell hat sich Volvo aus der Organisation zurückgezogen, sponsort aber weiter. Die berühmte Segelregatta heißt jetzt The Ocean Race.


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Schwedischer UnternehmenspreisSeit 2003 wird der Schwedische Unternehmenspreis in Deutschland vergeben. Schwedische Unternehmen, die erfolgreich in Deutschland Wurzeln geschlagen haben, haben gute Chancen auf den Preis, der in drei Kategorien vergeben wird. Finden Sie hier alle Informationen rund um Bewerbung und Verleihung, das aktuelle Programm sowie ein umfassendes Bilderarchiv der vergangenen Jahre.  Mehr