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News
18.02.2021

// Access Germany  - ein maßgeschneidertes Programm für schwedische Scale-Ups

Die Schwedische Handelskammer bietet in diesem Herbst gemeinsam mit Startup Sweden, einem Startup-Programm von Tillväxtverket, erstmals ein besonderes Programm für wachsende, schwedische Tech-Unternehmen an, die sich in Deutschland etablieren wollen.

Das Accelerator-Programm, das speziell für diese Art von Unter-nehmen entwickelt wurde, wird Vorträge und Workshops zu allen relevanten Themen von Finanzierung bis Unternehmensgründung in Deutschland beinhalten. Im zweiten Teil des Programms sind individuelle Coachings und persönliche Treffen mit Experten, Investoren, Partnern und potenziellen Kunden geplant.

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12.02.2021

// HEMSLÖJD - WO HAND, HERZ UND HIRN ZUSAMMENWIRKEN

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn es um Souvenirs aus Schweden geht? Na klar, das „Dalahäst“, das mit Ornamentbändern verzierte rote oder schwarze Holzpferdchen. Seit 1937, als Schweden sich auf der Weltausstellung in New York durch das Pferd aus Dalarna repräsentieren ließ, ist es ein Symbol für Schweden. Das Pferd startete seine Karriere im 17. Jahrhundert als Spielzeug in Dalarna; sein klares Design machte es besonders einfach, es zuhause herzustellen. Es ist aber wohl besonders deshalb ein so beliebtes Symbol geworden, weil es die schwedische Liebe zum Handwerk zeigt. Denn Handwerken ist in Schweden ein zentraler Teil der Tradition, der Kultur und auch der Wirtschaftsgeschichte.

Wenn man in Schweden über Handwerk spricht, redet man von „Slöjd“. Ein Wort, das vom urnordischen Wort „slöghþ“ herstammt, was geschickt, handlich, kunstvoll bedeutete. Handwerk in dem Sinne ist alles, was man irgendwie selbst macht. Bevor es Arbeitsteilung, Fabriken, spezialisierte Industrien gab, machte man ohnehin mehr oder weniger alles selbst. Das Heimhandwerk gehörte zum Leben, besonders bei der mit Abstand größten Bevölkerungsgruppe, den Bauern. Die Herstellung von Produkten für das eigene Heim und den eigenen Gebrauch wird „hemslöjd“ genannt. Der Begriff ist seit dem Jahr 1807 in Schweden gebräuchlich.

Mal beargwöhnt, mal gefördert

Weil Schweden bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts sehr arm war und große Industrien fehlten, war das Heimhandwerk sehr verbreitet. Was man brauchte, musste man selbst machen, und es bot eine sinnvolle Beschäftigung in den kalten Wintermonaten. Tradtionell arbeiteten die Männer mit Holz und Metall und die Frauen mit Textilien. Die Erfahrung aus mehreren hundert Jahren Heimhandwerk führte zu ausgeprägter Fertigkeit und regionalen Spezialisierungen. Hälsingland und Ångermanland sind zum Beispiel für das Leinenhandwerk bekannt. In Dalarna wurde das Holzhandwerk zu einer wichtigen Einnahmequelle. Textilien sind besonders charakteristisch für das schwedische Heimhandwerk – in vielen Häusern kann man bis heute Lappendecken und Flicken-teppiche sehen.

Mit der Industrialisierung verlor das Handwerk an Bedeutung. Jetzt konnte man viele Gerätschaften fertig kaufen. Eine Volkstradition, die von Generation zu Generation tradiert wurde, geriet langsam in Vergessenheit. Der schwedische Staat war lange der Ansicht, dass das Heimhandwerk ein Problem war. Er sah es als Konkurrenz zu den Handwerkern und Manufakturen in den Städten. Doch diese Ansicht änderte sich mit den Wirtschaftskrisen und der steigenden Bevölkerungsanzahl, mit Emigration und Arbeitslosigkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Blick aufs Handwerken wurde positiver, denn man verstand es nun als wichtigen Teil der Ökonomie auf dem Land. Handwerksvereine erhielten staatliche Unterstützung. Auch die kulturelle Bedeutung des Handwerks fand Anerkennung, man gründete Museen, Galerien und Verbände. Der erste Handwerksverbund wurde 1899 mit dem Ziel gebildet, die Tradition des Handwerks und die wissenschaftliche Erforschung und Dokumentation zu fördern.

Schaffende Hände für die Hirnentwicklung

Handwerk war auch den Sozialdemokraten im schwedischen „Volksheim“ ein Anliegen. Seit den 1940er-Jahren war Handwerk ein Unterrichtsfach in schwedischen Grundschulen, ab 1955 sogar verpflichtend. Die Idee: Die Herstellung von Gegenständen sei wichtig für die persönliche Entwicklung eines Individuums und der Gesellschaft. „Die schaffende Hand entwickelt das denkende Gehirn“, lautete die Devise. Göran Lundborg, heute einer der führenden schwedischen Experten für Handchirurgie, findet das sehr modern: „Immer mehr Forscher glauben, dass die Hand das Wachstum des Gehirns vorangetrieben und es komplizierter und nützlicher gemacht hat“, erklärt er. „Gehirn und Hand sind voneinander abhängig – und dies wiederum hat den Menschen zu einem kulturellen Wesen gemacht.“

Das Schulfach Handwerk hat sich im Lauf der Zeit verändert und spiegelt auch immer den Zeitgeist wider. Zunächst wurde nach Geschlechtern geteilt; bis zu den 1960ern galt: Mädchen mussten nähen, Jungen durften schnitzen. Danach richtete sich der Fokus des Unterrichts besonders auf Material und Herstellung, in den Achtzigerjahren waren die technischen Arbeitsprozesse am wichtigsten, heute liegt, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, der Schwerpunkt auf Wiederverwendung und Unternehmertum.

Duodji – Samikunst mit Markenschutz

Eine Form des Handwerks, die bis heute eine starke Stellung hat, ist Duodji, das traditionelle Kunsthandwerk der Samen. Es gilt als eine der ältesten tradierten Formen von Handwerk; Archäologen haben mehrere tausend Jahre alte Duodji gefunden. Sie sind starker Ausdruck der samischen Kultur und Gesellschaft, denn in einer Nomadengesellschaft ist die Herstellung von eigenen Geräten lebensnotwendig. Das Handwerk der Sami umfasst die Herstellung von Kleidung, Küchenutensilien, Werkzeugen und Dekorationsgegenständen, bei denen Naturmaterialien wie Holz, Horn und Leder charakteristisch sind. Die Produkte haben immer einen Gebrauchswert, aber sie sind reich dekoriert und oft sehr farbenfroh. Die Samikunst ist so bedeutend für die Kultur der Ursprungsbevölkerung und den Tourismus in Nordschweden, dass es mittlerweile sogar ein Doudji-Markenzeichen gibt, das garantiert, dass die Gegenstände nach traditionellen samischen Handwerksregeln hergestellt wurden. 

In der Kultur der gesamten Nation haben Handwerk und besonders Heimhandwerk starke Spuren hinterlassen. Die Art, wie man sich einrichtet – man denke an Carl Larsson – wurde davon ebenso geprägt wie die Literatur. In Fernsehprogrammen über Design und Heimeinrichtung wie „Den arge snickaren“ (Der wütende Schreiner) hat das Heimhandwerk einen prominenten Platz. Etwas selbst zu machen ist ein Ideal, oft finden Schweden es regelrecht peinlich, um Hilfe zu bitten. Auch in der schwedischen Kinderliteratur hat hemslöjd seinen festen Platz, etwa in Astrid Lindgrens Büchern von Michel aus Lönneberga, in denen Michel nach seinen Streichen von seinem Vater im Tischlerschuppen eingesperrt wird und aus Langweile Holzmännchen schnitzt. Auch der knorrige Pettersson von Sven Nordqvist ist ein großer Heimwerker und baut zu Weihnachten sogar eine Weihnachtsmannmaschine für seine Katze Findus …

Gegenbewegung gegen die digitalisierte Welt?

Auch heute ist das Arbeiten mit den eigenen Händen weiterhin beliebt: Eine Untersuchung des SOM-Instituts, einem Umfrageinstitut der Universität Göteborg, zeigt, dass fast die Hälfte der Schweden im Alter von 16 bis 85 mindestens einmal im Jahr handwerken, 25 % tun dies einmal im Monat oder sogar mehrmals in der Woche. Nach Fotografieren und Filmen ist Handwerken die zweitpopulärste Freizeitaktivität Schwedens. Manchmal wird dann aus dem Hobby auch Kunst und nicht selten auch eine Geschäftsidee. Der Trend zu einer ökologischen, klimafreundlichen Gesellschaft trägt dazu bei. Bei Tradera, dem schwedischen Ebay, hat man einen deutlichen Trend beobachtet: Der Verkauf von Handwerksprodukten hat sich im Jahr 2019 um 25 % erhöht. Am populärsten sind Holz, Schmuck, Teppiche und Doudji.

Vielleicht handelt sich bei der Freude am Handfesten auch um eine Gegenreaktion auf die Digitalgesellschaft. Handwerk ist niederschwellig zugänglich und hängt nicht von sozialen Strukturen wie Ausbildung, Lohn und Wohnlage ab. Viele Startups sind mit Handwerksinnovationen verknüpft. Slöjd steht für Tradition und ist zugleich modern und zukunftszugewandt.

Slöjd tut gut, es bietet eine Möglichkeit der Selbstvergewisserung – auch das ist sehr modern. Ein Gegenpol zur Datenflut, geerdet, zum Anfassen. Natürlich haben YouTube-Tutorials auch hier oft das alte Heimwerkerbuch abgelöst. Auch das macht das Werkeln attraktiv: Nie war es so einfach, tolle Werkzeuge und Materialien zu bekommen. Aber slöjd hat auch eine soziale Funktion, es führt Menschen zusammen. Was für ein Bogen, aus der Jäger- und Sammlerzeit der Sami über tausende Jahre bis ins Herz der Gegenwart. Hemslöjd – und was ist Ihr Projekt?

Von Alexander Roth

 

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