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News
24.09.2020

// ALLES BIO - ODER WAS?

Lange ist es nicht her, als Kunden in ausgewiesene Bioläden und Reformhäuser pilgern mussten, um Lebensmittel aus ökologisch kontrolliertem Anbau zu kaufen. Heute sind die Regale in Supermärkten und Discounter gefüllt mit einem stetig wachsenden Angebot von Bioprodukten. Die Nachfrage wächst: Der Anteil von Bio-Lebensmitteln am Lebensmittelumsatz in Deutschland lag 2010 bei rund 4 Prozent - im vergangenen Jahr waren es bereits fast 6 Prozent - das entspricht einem Umsatz von knapp 12 Milliarden Euro. Das Verbraucherbewusstsein ist durch zahlreiche Skandale und durch die Klimadebatte sensibilisiert und breite Schichten sind bereit, für Bio auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Die Produkte sind nachhaltig, sie tragen zur Biodiversität und einer besseren Ökobilanz bei, enthalten weniger Schadstoffe und schaffen Arbeitsplätze. 

Deutschland ist damit in absoluten Zahlen der größte Bio-Markt in Europa – doch in Schweden ist der prozentuale Anteil mit 9,6 Prozent deutlich höher. Nur Nachbar Dänemark toppt mit 11,5 Prozent das Ökobewusstsein der Schweden. In Schweden findet man in den Städten kaum explizite Biomärkte, Bioprodukte werden im ganz normalen Supermarkt gekauft – und zunehmend online.  Erkennbar sind die Produkte normalerweise entweder am 1985 eingeführten KRAV-Siegel oder am jüngeren Zeichen SE-Eko EU. KRAV steht für „Kontrollföreningen för Alternativ Odling“, Kontrollvereinigung für alternativen Anbau, ein Verband aus 28 Unternehmen und Einrichtungen. Die Kriterien für das KRAV-Zeichen umfassen die des EU-Bio-Siegels und gehen teilweise darüber hinaus. Im Bereich der Tierhaltung zum Beispiel, bei der Zucht von Schweinen und Geflügel, sind die KRAV-Regeln strenger als die der EU. Daneben tragen auch in Schweden viele Produkte das europäische Bio-Siegel für Lebensmittel, das grüne stilisierte „Blatt“, das seit 1. Juli 2010 obligatorisch für ökologisch hergestellte Waren ist.

Schweden: Bio wird billiger

Das Biobewusstsein der Konsumenten schlägt sich in Werbung und Marketing der schwedischen Ketten nieder. Mit eigenen Slogans wie ICAs „I love Eco/Eko“ kämpfen die Anbieter um ihre Kunden. Die wachsende Nachfrage hat den Preiswettbewerb belebt, der Verbraucher profitiert. Musste man in Schweden 2014 noch durchschnittlich ein Drittel mehr bezahlen, wenn man öko statt konventionell bevorzugte, ist es aktuell weniger als ein Fünftel.

Der zweite starke Trend ist das Essen aus der Nähe. Lokal produzierte Lebensmittel, auch aus konventionellem Anbau, werden von 72 % der Schweden vorgezogen.  Wirbt der Supermarkt mit „närproducerat“, also dem regionalen Produkt, entscheiden sich die Schweden eher dafür und gegen „eko“.  Doch beide Kriterien müssen kein Widerspruch sein und schaffen neue Geschäftsfelder. Im Raum Stockholm denkt die Firma gardsbudet.se alles zusammen und ermöglicht die online-Bestellung lokaler und ökologischer Lebensmittel; Obst, Gemüse etc. werden frisch geerntet und innerhalb Stockholms zugestellt.

Schwedens Ambition: 30 % Ökolandbau

Die große Nachfrage korrespondiert folglich auch mit einem hohen Bio-Anteil in der landwirtschaftlichen Produktion. „Der Ökolandbau in Schweden ist zuletzt kräftig gewachsen und hat den politisch angestrebten Flächenteil von 20 Prozent überschritten.“, teilt die Landwirtschaftsbehörde Jordbruksverket mit.  Nach ihren Angaben wurden 2018 inklusive Umstellungsfläche insgesamt 609.100 ha nach ökologischen Richtlinien bewirtschaftet. Damit wurden zwar nicht mehr die Zuwachsraten der Jahre 2006 bis 2013 erreicht, als der Ökolandbau pro Jahr im Schnitt um 12,5 Prozent zulegte, das Plus fiel zuletzt aber wieder deutlich stärker aus als in letzten fünf Jahren, in denen der schwedische Ökolandbau zeitweise auf der Stelle getreten war.

Die schwedische Regierung strebt an, den 2018 erreichten 20-Prozent-Anteil des  Ökolandbaus bis 2030 um weitere zehn Prozentpunkte auszubauen. Regional ist dieser Zielwert aber teilweise schon heute deutlich überschritten. Die Statistik weist   beispielsweise für die Provinz Jämtland einen Ökoflächenanteil von mehr als 40 Prozent aus. In Gävleborg und Värmländ werden ebenfalls schon deutlich mehr als 30 Prozent des Areals ökologisch bewirtschaftet. Das meiste davon ist Ackerland, gute 20 Prozent entfallen auf Wiesen und Weiden, bei denen mittlerweile jeder dritte Hektar ökologisch genutzt wird.

Peckas: Tomaten- und Fischzucht in Symbiose

Doch es wird eng. Ökologischer Anbau benötigt mehr Fläche und die Nachfrage nach lokal und nachhaltig angebauten Lebensmittel wächst so stark, dass auch stadtnaher Anbau eine Alternative wird. „Urban Farming“ könnte eine Antwort sein, der Gemüseanbau in High-Tech-Treibhäusern, die aufgrund der geschützten Atmosphäre ohne Gifteinsatz auskommen. Besonders effizient nutzt das schwedische Unternehmen Peckas Naturodlingar AB seinen Platz. Peckas baut in einem effizienten Kreislaufanbau Regenbogenforellen und Tomaten an, wobei das Wasser der Zuchtbecken in einem permanenten Umlaufsystem zur Pflanzenbewässerung eingesetzt wird. Das durch die Fischexkremente nährstoffreiche Wasser aus den Fischbecken düngt die Tomaten, das durch Bodenfiltrat gereinigte Wasser gelangt frisch wieder in die Becken. Das einzige, was hinzugefügt wird, sind Fischfutter und minimale Mengen Wasser. Ein Kilo Futter ergibt ein Kilo Fisch und 10-12 Kilo Gemüse - klimafreundlich, ressourcenschonend und völlig emissionsfrei.

Das Konzept bewährte sich und in kurzer Zeit baute man mit der Aquaponik genannte Methode  an der Höga Kusten drei Gewächshäuser, die mit 12.000 Quadratmetern  500 Tonnen Tomaten und 40 Tonnen Regenbogenforellen produzieren können. Peckas hat den Weltmarkt im Blick und forscht mit einem Team vor Ort, um das das zyklische Anbausystem als Lösung global zu  verkaufen. Dazu gehört die Entwicklung eines Kontrollsystems auf der Basis künstlicher Intelligenz für den aquaponischen Anbau im industriellen Maßstab. „Unsere Technik verbindet ökologischen Anspruch mit innovativen Ideen und neuester Technik“, sagt Mattias Gemborg, Geschäftsführer der Peckas AB. „Wir sehen hierin eine große Chance im Hinblick auf die Herausforderungen durch den Klimawandel und den zugleich wachsenden Nahrungsmittelbedarf der Welt“.

Als Bio-Lebensmittel werden Lebensmittel aus der ökologischen Landwirtschaft bezeichnet. Der Begriff ist in der EU gesetzlich definiert. Diese Produkte müssen aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und werden ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger oder Klärschlamm angebaut. Tierische Produkte stammen von Tieren, die artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung gehalten werden und in der Regel nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt wurden. Die Produkte sind nicht ionisierend bestrahlt und enthalten weniger Lebensmittelzusatzstoffe als konventionelle Lebensmittel, dürfen aber bis zu 5 % nicht ökologisch erzeugte Zutaten enthalten. Die EG-Öko-Verordnung von 2007 definiert, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Öko-Produkte gekennzeichnet sind, hergestellt und gekennzeichnet werden müssen. Um konventionell von ökologisch hergestellten Lebensmitteln zu unterscheiden, führte Deutschland 2001 das staatlich kontrollierte Bio-Siegel ein, mit dem nur nach der EG-Öko-Verordnung hergestellte Produkte gekennzeichnet werden dürfen. Während Biokost ein Synonym für Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau ist, kann Naturkost auch konventionell produziert sein. Eine Übersicht über schwedische Onlineversandhändler findet sich unter www.ekologisk-mat.se.

VON PETER MARX

 

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18.09.2020

// VIDEO-SPRECHSTUNDEN VON KRY WERDEN JETZT VON ALLEN KRANKENKASSEN ERSTATTET 

Der schwedische Telemedizin-Anbieter Kry hat das Zertifizierungsverfahren der TÜV IT GmbH erfolgreich durchlaufen und ist bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) als Anbieter gemeldet. Damit werden die Video-Sprechstunden des Kammermitglieds Kry nun von allen Krankenkassen in Deutschland erstattet; deutsche Patienten können das Angebot des europäischen Marktführers ohne Zusatzkosten wahrnehmen und die Vorteile des digitalen Arztbesuches nutzen - für einen flexiblen, unkomplizierten Zugang zu medizinischer Versorgung auf hohem Niveau. 

Die Corona-Pandemie wirkt als Katalysator für die Digitalisierung der Gesundheitsbranche: eine kürzlich vorgestellte Umfrage von Bitkom belegt einen Nachfrageschub für Video-Sprechstunden – fast die Hälfte aller Befragten kann sich mittlerweile die Nutzung vorstellen.

Kry startete 2014 in Schweden, seit Ende 2019 werden die Video-Sprechstunden in Deutschland angeboten.  Dabei verbindet das E-Health Unternehmen medizinische Expertise mit digitaler Technologie und der Erfahrung aus mehr als 2,2 Millionen durchgeführten Sprechstunden in fünf Ländern: Mit der App von Kry können Patienten über ihr Smartphone oder Tablet innerhalb weniger Minuten eine Video-Sprechstunde mit einem Arzt aus Deutschland vereinbaren - von zu Hause, ohne Zeit im Wartezimmer zu verbringen. Im Anschluss an das Gespräch stellt der Arzt bei Bedarf eine Krankschreibung, ein Rezept oder eine Überweisung aus.

Alle Partner-Ärzte von Kry sind in Deutschland approbiert und haben jahrelange Praxiserfahrung. Kry versteht sich in diesem Sinne nicht als Ärzte-Verzeichnis, sondern als Online-Praxis. Als größter europäischer Anbieter von Telemedizin können die Ärzte bei Kry aus einem umfassenden Erfahrungsschatz ihrer Kollegen schöpfen, stehen in einem Ärztenetzwerk kontinuierlich im fachlichen Austausch und erhalten Fortbildungen. 

So funktionieren Video-Sprechstunden bei Kry


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Schwedischer UnternehmenspreisSeit 2003 wird der Schwedische Unternehmenspreis in Deutschland vergeben. Schwedische Unternehmen, die erfolgreich in Deutschland Wurzeln geschlagen haben, haben gute Chancen auf den Preis, der in drei Kategorien vergeben wird. Finden Sie hier alle Informationen rund um Bewerbung und Verleihung, das aktuelle Programm sowie ein umfassendes Bilderarchiv der vergangenen Jahre.  Mehr