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// Private Equity: Geld mit Geduld

Ein Unternehmen, das wachsen und sich entwickeln will, braucht dafür meistens eins: Geld von außen. Die klassischen Wege sind Bankdarlehen, der Gang an die Börse – oder die außerbörsliche Veräußerung von Firmenanteilen an Investoren. Handelt es sich um junge Unternehmen mit großen Chancen, aber auch großen Risiken, spricht man von Venture Capital oder Risikokapital.

Aber auch für bereits etablierte Firmen ist privates Beteiligungskapital immer öfter eine Option. Meist handelt es sich dabei um mittelständische Unternehmen, zum Teil aber auch um Konzerne: Private Equity hat in den zurückliegenden Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Besonders Schweden wartet mit beachtlichen Akteuren im Segment der privaten Beteiligungen auf.


Fernsehformate wie „Die Höhle der Löwen“ haben das Thema Venture Capital populär gemacht. Gespannt verfolgen die Zuschauer mit, wie Jungunternehmer clevere Konzepte vorstellen, mit denen sie ganz groß rauskommen wollen. Doch während es beim Venture Capital meist um Minderheitsbeteiligungen geht – investiert wird, um die Gründer bei der Realisierung eines spannenden Projektes zu unterstützen, in der Spekulation auf großes Wachstum – geht es beim Private Equity um bereits erfolgreiche Firmen, die in der Regel ganz oder mindestens mehrheitlich verkauft werden. Das Geld geht also in der Regel nicht in die Firma, sondern an den Vorbesitzer.

Langfristiges Investment
Entscheidend bei dieser Anlageform ist der vergleichsweise lange Zeithorizont. Während man Aktien jederzeit wieder veräußern kann, sind Private Equity-Anlagen mittel- bis langfristig orientiert; im Durchschnitt werden die Anteile drei bis fünf Jahre gehalten. Das Ziel ist es schließlich, den Wert der jeweiligen Firma zu steigern und diese mit möglichst hohem Gewinn weiter zu veräußern. Das durch Hollywoodfilme gezeichnete und durch Franz Müntefering sprichwörtlich gewordene Image von Privatinvestoren als „Heuschrecken“ mag in Ausnahmefällen zutreffen, in der Regel ist es aber nicht das Interesse der Geldgeber, die gekauften Firmen zu filetieren, sondern eben langfristig zu entwickeln – durchaus zum Wohle auch der Mitarbeiter. Doch woher kommt das Geld? Die Kapitalgeber können private oder institutionelle Anleger sein; häufig sind es auf diese Beteiligungsform spezialisierte Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die daher auch Private-Equity-Gesellschaften (PEG) genannt werden. Industrieunternehmen und Versicherungsgesellschaften werden zunehmend auf diesem Gebiet tätig.

Auch als Kleinanleger kann man in Private Equity investieren – allerdings nur mittelbar. Da viele etablierte Gesellschaften nur institutionellen Investoren oder sehr vermögenden Privatpersonen offenstehen, bildet sich seit einigen Jahren auch ein Fonds-Segment für Kleinanleger heraus. Die meisten dieser sogenannten Retailfonds sind als geschlossene Fonds ausgelegt, die im Rahmen eines Dachfondskonzepts wieder in große Private-Equity-Fonds investieren. Es ist also durchaus möglich, auch mit kleinen monatlichen Beiträgen in Private Equity zu investieren, wenn man bereit ist, das Geld für einen langen Zeitraum aus der Hand zu geben – zum Beispiel als Teil der privaten Altersvorsorge.
Zudem haben in den vergangenen Jahren mehrere Beteiligungsfirmen den Sprung an die Börse gemacht. So sind große US-Konzerne wie KKR, Blackstone, Carlyle und Apollo gelistet. In Europa sind die schweizerische Partners Group und die britische 3i aufs Parkett gegangen. Im September vergangenen Jahres legte der schwedische Finanzinvestor EQT einen sehr erfolgreichen Börsengang hin. Auch über den Kauf von Aktien kann man also mittelbar Private Equity für die private Vermögensanlage nutzen.

EQT – Big Player aus Schweden
Hinter der EQT steht die bekannte schwedische Familie Wallenberg, deren Investmentfirma Investor AB mit einem Minderheitsanteil von 18 % der größte Einzelinvestor bleibt. In den EQT-Fonds stecken rund 40 Milliarden Euro, zum Besitz gehören Unternehmen mit zusammen 19 Milliarden Euro Umsatz und 110.000 Mitarbeitern. Damit gehört EQT zu den ganz großen Akteuren und rangiert weltweit auf Platz 7 der größten Private-Equity-Unternehmen – deutsche Gesellschaften findet man übrigens nicht unter den Top 50.

Der deutschsprachige Raum zählt aber zu den bevorzugten Regionen, in denen EQT nach Firmen sucht. In Deutschland gehört den Schweden unter anderem eine Minderheits-Beteiligung am weltgrößten Prothesen-Hersteller Ottobock sowie die Mehrheit am Linux-Anbieter Suse. Zu den EQT-Beratern gehört auch eine prominente Deutsche. Die ehemalige Siemens-Personalchefin Janina Kugel ist seit Anfang Mai als Senior Advisor bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) u.a. für EQT tätig.
Vor kurzem verkündete EQT die Übernahme von 51 % der Deutschen Glasfaser von der US-amerikanischen Beteiligungsgesellschaft KKR; der kanadische Pensionsfond Omers übernimmt die übrigen 49 %. Bereits im Herbst hatte EQT für rund eine Milliarde Euro den saarländischen Wettbewerber Inexio gekauft, beide Unternehmen sollen nun verschmolzen werden. Obwohl die Deutsche Glasfaser 2018 nur einen Umsatz von 64 Millionen Euro gemacht hat, lag der Kaufpreis wohl bei deutlich über 2 Milliarden Euro. Klassisches Private Equity also: die Vorbesitzer verkaufen mit sehr gutem Gewinn, der neue Investor bringt das nötige Kapital mit, weil er große Chancen sieht. Denn die Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit den Telekommunikationsunternehmen in Deutschland ein flächendeckendes Gigabit-Netz aufzubauen. Diesen Fokus wollen auch die neuen Eigentümer des Kabelnetzbetreibers an die Spitze ihrer Agenda stellen. EQT und Omers zufolge soll das fusionierte Unternehmen in den kommenden Jahren sieben Milliarden Euro in die hiesige Hochgeschwindigkeits-Internetinfrastruktur investieren. Damit sollen insgesamt über sechs Millionen Glasfaseranschlüsse in der Bundesrepublik gebaut werden. Ein Paradebeispiel für Private Equity: Big Money für ein großes Projekt, mit sehr reellen Chancen und einem Investitionshorizont über etliche Jahre.

Nordic Capital: viele institutionelle Anleger
Ein weiterer großer Akteur aus Schweden ist Nordic Capital. Das Unternehmen verwaltet Private-Equity-Fonds und investiert in mittlere und große Unternehmen, über eine Vielzahl von Branchen hinweg mit einem besonderen Fokus auf Healthcare. Weitere Kernsektoren sind Technologie, Zahlungssysteme, Finanzdienstleistungen, Industriegüter und -dienstleistungen sowie Konsumgüter. In der DACH-Region hat Nordic Capital rund drei Milliarden Euro in zehn Unternehmen im Gesundheitssektor investiert. Das Heuschreckenfeindbild passt auch hier nicht, denn das Kapital stammt von institutionellen Investoren. Pensionsfonds, Staatsfonds, Finanzinstituten, Stiftungen und Familienunternehmen stehen hinter Nordic Capital und zielen auf ein langfristiges Investment in Firmen, um diese durch operative Verbesserungen und transformatives Wachstum weiterzuentwickeln und möglichst sichere Renditen z.B. für Pensionsfonds zu erzielen.

Das Beispiel Nordic Capital zeigt, das Private Equity auch für mittelständische Unternehmen eine attraktive Finanzierungsform sein kann, etwa wenn Familien ihr Unternehmen (oder Teile davon) veräußern möchten. Bei der Abwicklung solcher Geschäfte helfen spezialisierte Berater, die sich auch in der Schwedischen Handelskammer finden – in den Mitgliedsbanken SEB, Nordea, Danske Bank und Handelsbanken, bei den großen Anwaltsbüros und bei spezialisierten Beratern wie der MCF Corporate Finance.
Der Anteil der Unternehmenstransaktionen unter Beteiligung von Finanzinvestoren wird heute auf 25% geschätzt, mit zunehmender Bedeutung auch für das Segment mittelständischer Unternehmen. Private Equity ermöglicht Anlagen in Zukunftsbranchen und beschafft Kapital für weitreichende Investitionen. In Schweden sind heute 1.160 Unternehmen mit etwa 170.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 50 Milliarden Euro im Besitz privater Finanzinvestoren. Und auch in Deutschland ist Private Equity längst zu einer relevanten Größe geworden, interessant für Mittelständler wie für Konzerne, für professionelle Anleger – und sogar für die eigene, private Altersvorsorge.