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// Kinder, steigert das Bruttosozialprodukt!

Haben Sie Kinder oder denken Sie darüber nach, welche zu bekommen? Und hat Sie auch schon mal die beliebte Frage beschäftigt, was Sie das eigentlich so kostet? 126.000 Euro bis zum 18. Lebensjahr, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Als Vater von fünf Kindern habe ich mir eine gewisse Expertise erarbeitet und sage: das ist maßlos übertrieben. Aber von der Wiege bis zum Abi kommt schon so einiges zusammen, vom Essensgeld für die Kita über das Fußballtrikot bis zum Klavierunterricht.

Aber was für eine traurige Fragestellung. Drehen wir die Frage doch einfach mal um: Was bringt ein Kind für die Wirtschaft und die Volkswirtschaft? Wie tragen wir gemeinsam mit unseren teuren Kleinen dazu bei, die Wirtschaft – am besten die deutsch-schwedische – anzukurbeln?

Von der Wiege bis zur Trage
Erfreulicherweise gibt es da wenig Lücken. Kaum ist das Baby auf der Welt, möchte es dieselbe erkunden und gut beschützt von A nach B kommen. Das war schon 1961 so, als Björn und Lillemor (!) Jakobson die Firma Babybjörn gründeten. Zielgruppe waren und sind die Erdenbürger in ihren ersten drei Lebensjahren, die Firma produziert Babytragen und Wippen, Stühlchen, Bettchen, Töpfchen und dergleichen. Alles besten erprobt, sehr praktisch und hübsch anzuschauen. Lillemor achtete von Beginn an darauf, dass ihre Designs zu beiden Eltern passen. „Es ist toll zu sehen, dass wir einen Anteil daran hatten, die Sicht auf die Vaterrolle zu verändern“, blickt sie zurück. Die Firma stellt nicht nur ergonomische Produkte her, die den Alltag junger Eltern tatsächlich erleichtern, sondern bietet auch jede Menge Information und Rat für diese sensible Phase – z.B. Tipps, wie man beim Stillen in der Öffentlichkeit Stress vermeidet.

Babybjörn ist bis heute ein Familienunternehmen. In Stockholm kümmern sich 40 Mitarbeiter unter anderem um die Produktentwicklung, den Vertrieb und das Design. Das Distributions- und Logistikzentrum, in dem 67 Personen beschäftigt sind, befindet sich im Gründungsort Lanna in Småland.

Auch die Firma Lascal produziert seit 30 Jahren Kleinkinderprodukte wie Babytragen, Schutzgitter und gut durchdachte Buggys. Den meisten Eltern dürfte allerdings ein Produkt bekannt sein, das dann zum Tragen kommt, wenn ein kleines Geschwisterkind den Erstling aus der bequemen Sitzposition im Kinderwagen vertrieben hat: Nun kann es immerhin auf dem Buggy Board stehen (und inzwischen auch hocken), ein Rollbrett, das hinten an den Kinderwagen angedockt wird und eine prima Mitfahrgelegenheit für müde kleine Beinchen bietet – genial!

Erfrischend anders – Kindermode aus Schweden
Die wohl größte und unerschöpflichste Möglichkeit, für sein Kind Geld auszugeben, ist die Kleidung. Schließlich wachsen die Kleinen ja unaufhörlich und brauchen gefühlt alle paar Tage eine neue Konfektionsgröße. Offenbar haben so ziemlich alle Schweden eine große Portion Stilbewusstsein in die Wiege gelegt bekommen – die Schweden geben sich deutlich modebewusster als die Deutschen und gelten als europäischer Test- und Trendmarkt. Da ist es doch selbstverständlich, dass auch der Nachwuchs die schwedische Babymode präsentieren darf, dort wie hier. Bekannte Marken für tolle schwedische Kindermode sind unter anderem Polarn O. Pyret, Pumpkin und Holubolu oder Kids Concept. Natürlichkeit und Authentizität stehen klar im Vordergrund. Bequeme, gerade Schnitte, die Kindern ausreichend Bewegungsfreiheit bieten und natürliche Farben dominieren. Einen Sonderweg beschreitet die Marke me+i, indem sie ausschließlich auf den Direktvertrieb nach dem Tupperprinzip setzt – sehr erfolgreich.

Neben der Kleidung wollen die Kleinen natürlich auch von kindgerechtem Design umgeben sein. Auch hier helfen kompetente Schweden, z.B. OMM Design aus Stockholm mit poppigem Geschirr und Spielzeug, Postern und Puzzlen. Oder JaBaDaBaDo, die Spielsachen für Babys und Kinder, Partyaccessoires und Dekoartikel meist aus Naturmaterialien wie Holz oder Baumwolle herstellen.


Holzeisenbahn von Brio

Ein echter schwedischer Spielzeugklassiker ist Brio, die Abkürzung von Bröderna Ivarsson, Osby („Gebrüder Ivarsson, Osby“). Das bekannteste Produkt von Brio ist ihr Holzeisenbahn-System, daneben gibt es etwa einen Nachzieh-Dackel und Stapel-Clowns. 2015 wurde das Unternehmen vom deutschen Spielehersteller Ravensburger übernommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Brio 80 Mitarbeiter und machte 38 Millionen Euro Umsatz; Ravensburger brachte es mit Spielen, Puzzles und Büchern auf rund 260 Millionen Euro Umsatz. Mit dem Kauf kämen zwei Familienunternehmen mit ähnlicher Philosophie und langer Tradition zusammen, teilte Ravensburger mit. Beide Unternehmen haben eine lange Tradition: Ravensburger ist 131, Brio 130 Jahre alt. Teil der Übernahme ist auch der zu Brio gehörende schwedische Brettspiel-Marktführer Alga. Brio hat seinen Firmensitz in Malmö behalten.

Auch bei IKEA stehen Holzspielzeuge hoch im Kurs: „Holzspielzeug hält ewig. Holz ist ein gutes Material für Kinder – ehrlich, warm und praktisch zum Spielen. Selbst mit ein paar Kratzern behalten die Spielsachen ihren Wert und können an die nächste Generation weitergegeben werden“, sagt IKEA-Designer Francis Cayouette.

Phänomen: Papiersäcke zum Aufräumen sind ein Welterfolg
Sind Sie schon mal auf einer Brio-Lok ausgerutscht? Dann sind Sie sicher auch ein Freund von praktischen Aufräumlösungen fürs Kinderzimmer. Mit ihren stylischen Stoffbeuteln und Papiersäcken – alles handbedruckte Unikate – hat die Stockholmer Mutter Maria Sabbah mit Tellkiddo hierfür eine echte Trendmarke erschaffen. Als ihr erstes Kind 3 Monate alt war, begann Maria damit, einfache Gesichter für ihren Sohn zu zeichnen und beobachtete anschließend seine Reaktionen. Für Kinder in diesem Alter sind kontrastreiche Schwarz-Weiß-Bilder gut zu erkennen. Dieses miteinander mit ihrem Kind inspirierte sie zu ihren Produkten. Seither ist das Markenzeichen Tellkiddo das stilisierte Bärengesicht, dass – typisch schwedisch – durch seine Einfachheit beeindruckt. Die schlichten Prints und fast unbehandelten Materialien haben unglaublich viele Fans in Kinderzimmern rund um den Globus gefunden.


Spezialmöbel für Kinder am Tablet: Native Bionics

Möbel für die daddelnde Jugend
Dass IKEA ein umfangreiches Angebot an Kindermöbeln und Spielzeug bereithält, ist allgemein bekannt. Doch auch kleine Marken besetzen neue Nischen für die kleinen Konsumenten: Die Firma Native Bionics bietet einen „gaming sitzsack für Kinder“ zum Spielen und Lesen auf dem iPad Tablet an. Womit wir bei den Welten der technischen Geräte und der dazugehörigen Software wären, und gerade bei den E-Games bieten die schwedischen Spieleschmieden jede Menge Gelegenheit, Geld auszugeben. Doch das ist ein Bereich, der oft ins selbstverwaltete Haushaltsbudget der Kinder fällt – das Taschengeld. Für schwedische Kinder ist es üblich, dieses in den langen Sommerferien aufzubessern, indem sie Sommerjobs übernehmen (wenn sie nicht gerade auf eine Sprachreise gehen – etwa mit den schwedischen Organisationen EF oder STS). So wachsen sie dann perfekt in die Aufgabe hinein, selbst etwas für die Volkswirtschaft zu tun und sich auf ihre diesbezügliche Rolle als Eltern vorzubereiten.

Von Peter Marx