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// Jahresauftakt: nachhaltiger Konsum, schwedische Vorreiter und Partnerschaft mit Göteborg

Der diesjährige Jahresauftakt fand im Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin statt. Der Tag begann mit dem jährlichen Impulstag, der exklusiv für Mitglieder als offenes Gesprächsforum dient, in dem Mitglieder konkrete Ideen untereinander diskutieren und in die tägliche Arbeit der Kammer einbringen können.

Nach der Präsentation der Ergebnisse des Impulstags ging es weiter mit der Podiumsdiskussion zum Thema „Nachhaltig konsumieren: Best Practices schwedischer B2C-Unternehmen“. „Der Klimawandel ist eine Tatsache“ eröffnete die Moderatorin Anna Jasper-Martens von Vattenfall Europe Windkraft GmbH den Jahresauftakt.

Im Impulsvortrag brachte Dr. Markus Groth des Climate Service Center Germany die Gäste auf einen gemeinsamen Nenner und zeigte dramatische Statistiken. Es gehe dabei vor allem darum, dass Klimaschutz nichts Abstraktes ist, sondern dass auch Bestrebungen auf globaler Ebene lokal sichtbare, messbare und spürbare Auswirkungen haben. Sein Appell lautete eindeutig: Wir müssen jetzt handeln! Wir müssen jetzt Emissionen reduzieren, um die Klimaerwärmung zu verlangsamen. Dem gegenüber zeigte er auch die gute Nachricht auf: es sei machbar, und zwar sowohl finanziell als auch technologisch. Zentral dabei ist es, die Wirtschaft mit einzubeziehen. Somit war die Brücke zur Podiumsdiskussion geschlagen, welche mit hochrangigen Nachhaltigkeitsvertretern von namhaften schwedischen Unternehmen besetzt war:

Hendrik Heuermann, Sustainability Manager Germany bei H&M, nannte mehrere innovative Ansätze des Unternehmens, beispielsweise aus unkonventionellen Rohstoffen eine Grundlage für Textilien zu schaffen. Eine der großen Herausforderungen sei, meinte er, dass das Tempo mit welchem Probleme wachsen nicht mit dem Tempo übereinstimme, mit welchem Lösungen gefunden würden.

Die Marke Wasa sei bereits heute eine klimaneutrale Lebensmittelmarke und benutzt zu 100% erneuerbare Energien für ihre Produktion. Im Moment liege das Augenmerk auf der effizienteren Gestaltung der Transportwege, und dem Versuch noch mehr der Logistik auf die Schiene zu bringen, so Salman Tanzeem, Marketing Manager Bakery Central Europe bei Wasa Deutschland.

Auch bei TetraPak werde die ganze Wertschöpfungskette betrachtet, wobei der Schutz und die Sicherheit von Lebensmitteln als oberste Priorität gesehen wird. Caroline Babendererde, Sustainability Manager Mid Europe bei TetraPak, zitierte dann auch den Unternehmensgründer Rausing: „Eine Verpackung sollte mehr sparen als sie kostet“, und in der heutigen Zeit sei die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung essenziell.

Um ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit und um nachhaltiges Leben geht es bei IKEA, und wie dieser Lebensstil den Menschen nähergebracht werden kann. Einerseits durch neue Konzepte, beispielsweise der „Zweite Chance“, wo Secondhandmöbel in den IKEA-Einrichtungshäusern in der Fundgrube verkauft werden, oder aber in der Schaffung von innovativen und mitdenkenden Produkten. Der Konzern ist heute schon energieneutral, und bis 2030 möchte man sogar klimapositiv sein, so Michael Mette, stellv. Geschäftsführer IKEA Deutschland. Auch die langjährige Kooperation mit gemeinnützigen Organisationen sei ein wichtiger Aspekt der respektvollen Nachhaltigkeitsarbeit.

Laure Berment, Geschäftsführerin von Too Good To Go Deutschland, bezeichnete ihr Unternehmen als „Bewegung“, mit dem obersten Ziel, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Erschreckend der Hintergrund: rund ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel landen im Müll. Die App, welche zurzeit 19 Millionen Nutzer hat, rettet eine Mahlzeit pro Sekunde, und Berment hofft, die Anzahl der User zu vergrößern. Auch die Kooperation mit anderen Playern der Branche, u.a. mit der Kampagne „oft länger gut“ sei ein wichtiges Werkzeug.

Einig waren sich in der Schlussrunde alle Panellisten, dass schwedische bzw. skandinavische Unternehmen schon lange mit Nachhaltigkeitskonzepten arbeiten, dies aber nicht so stark nach Außen kehren, da ein respektvoller Umgang mit Ressourcen eine Selbstverständlichkeit ist und schon lange gewesen ist. Die momentane Popularität des Themas sei aber durchaus positiv, denn jede Bestrebung sei wichtig und nur gemeinsam seien die Herausforderungen zu meistern.

Nach der inspirierenden Podiumsdiskussion präsentierte Katarina Thorstensson, Head of Sustainability bei Göteborg & Co., die neue Partnerschaft zwischen der Schwedischen Handelskammer und der Stadt Göteborg. Erst im vergangenen Jahr wurde Göteborg erneut als „World’s Most Sustainable City“ und in diesem Jahr als „European Capital of Smart Tourism“ ausgezeichnet. Deshalb hätte die Schwedische Handelskammer eine sehr „smarte“ Entscheidung getroffen, die Städtepartnerschaft mit Göteborg einzugehen, so Thorstensson.

Anschließend eröffnete der schwedische Botschafter Per Thöresson die Ausstellung „Herausforderungen annehmen – Schweden und die Agenda 2030“. Hier können Sie mehr über die Ausstellung lesen.

Auch das Buffet, welches am Ende der Veranstaltung eröffnet wurde, stand ganz unter dem Thema Nachhaltigkeit und wurde von IKEA gesponsert. Auf klimanegative Komponenten wie Rind- und Schweinefleisch wurde verzichtet, viele Gerichte wurden vegetarisch und vegan gehalten und Lebensmittel mit nachhaltigen Zertifizierungen wurden verwendet.

Text: Kerstin Nordström
Fotos: Torben Geeck für die Schwedische Handelskammer