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// Die Frohen Achtziger: Schweden wird groß geschrieben

// Schulterpolster und Winds of Change: In den Achtzigern hielten Walkman, Computer und Mobiltelefone Einzug in den Alltag, das Privatfernsehen begann zu senden und die schwedische Thronfolge wurde geändert. Diana gab Prinz Charles das Ja-Wort, Deutschland gewann mit Nicole den Grand Prix, Helmut Kohl wurde Bundeskanzler. Auf Kassette hörte man neben Madonna vor allem auch Roxette. Schweden verehrte die junge Carola, die mit „Främling“ ihren Durchbruch erreichte, las „Okej“ und schaute die erste Seifenoper „Varuhuset“. Deutschland bejubelte seine Tennisstars Steffi Graf und Boris Becker. 

Die „frohen Achtziger“, glada 80-talet, wie sie in Schweden genannt wurden, waren eine Zeit der Hochkonjunktur. Doch ernste Ereignisse überschatteten das Jahrzehnt: Olof Palmes Ermordung, die Katastrophe von Tschernobyl und das Thema AIDS fallen in die Dekade.



Für die schwedische Wirtschaft in Deutschland startet das Jahrzehnt stark: Einen Zuwachs von 20 % verzeichnet die Schwedische Handelskammer bei der Analyse von neuen schwedischen Tochtergesellschaften 1980. Mittlerweile sind 540 schwedische Unternehmen in Deutschland tätig – und die Kunden lieben Schweden. Durch IKEA ist eine „spürbare Verbreitung des Schweden-Images bei verbrauchernahen Produkten festzustellen“, notiert die Kammer, die sich durch hohe Aktivität in diesen Jahren auszeichnete. Die Handelskammer empfing den schwedischen Industrieverband und den Arbeitgeberverband in Düsseldorf und ermöglichte Treffen mit Mitgliedern der Bundesregierung und dem deutschen BDI. Auch mit dem Verband der schwedischen Zellstoff – und Papierindustrie knüpfte man enge Bande, die in mehrere Veranstaltungen in Düsseldorf zur „Struktur und Strategie der Branche“ mündeten. Eine Gehaltsstudie setzte die Kammer für ihre Mitglieder ebenso um wie erste eigene Merchandise-Artikel: In den Achtzigern konnten Mitglieder die „Schwedenkrawatte“ oder, für die Damen, das „Schwedenhalstuch“ erwerben. Auf der Hannovermesse betreute die Kammer weiterhin den „Schwedenstand“ und arbeitete dabei eng mit dem Handelsbeauftragten und der „Schwedischen Touristik-Information“ zusammen und schuf damit eine Art Vorläufer des heutigen Team Schwedens. Auch kommerzielle Anfragen bearbeitet die Kammer und oft haben diese sehr spezielle Suchprofile. So wird 1980 ein „schwedischer Exporteur von rohen, gesalzenen Elchhäuten“ nachgefragt.

Die Schwedenaktion macht eine ganze Stadt blau-gelb

Höhepunkt des Jahrzehnts für die Kammer war ohne Zweifel das silberne Jubiläum 1984. Ein Vierteljahrhundert Schwedische Handelskammer wurde mit großem Aufwand in Düsseldorf gefeiert. Das Königspaar reiste zum Jubiläum an und half der Kammer mit der sogenannten „Schwedenaktion“, Deutschland „ganz auf Schweden einzustellen“: Das Handelsblatt und die Rheinische Post druckten Sonderbeilagen zu Schweden, Düsseldorfer Restaurants servierten eine Woche lang schwedische Menus, das Stadtmuseum eröffnete eine Ausstellung des schwedischen Malerprinzen Eugen, und die Presse überschlug sich vor Begeisterung. Die Zeitung Express und IKEA suchten gar eine Prinzessinnendoppelgängerin: das kleine Mädchen, das Kronprinzessin Victoria am ähnlichsten sei, würde ein IKEA-Kinderzimmer gewinnen.

„Schweden wird in diesen Tagen groß geschrieben“, informierte die Kammer ihre Mitglieder und regte an, auch eigene Pressemitteilungen herauszugeben und das Momentum zu nutzen. Mit ihren Mitgliedern sorgte die Kammer dafür, dass wirklich jeder in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt wusste, dass die Schweden ihr 25-jähriges feiern: die Hälfte sämtlicher Plakatflächen der Stadt wurden von der Kammer gebucht. Auf den Plakaten begrüßten die Mitglieder mit ihren Logos das Königspaar und feierten das Jubiläum. Das Interesse, als Unternehmen bei der Plakataktion sichtbar zu werden, war so groß, dass die Korrespondenz schon Anfang des Jubiläumsjahres darauf hinweist, dass nur noch einige Plätze frei seien. Und auch die eigentliche Jubiläumsveranstaltung erfährt größten Andrang. Über ein halbes Jahr im Voraus sind die 1000 Plätze beim Bankett ausgebucht. Gefeiert wurde am 28. November im Hilton Hotel und die Dankesbriefe, teilweise handschriftlich verfasst, zeugen von dem spektakulären Abend, der mit Musik von Lill Lindfors und Orchester und Tanz endete. „Ein glanzvoller Höhepunkt“, befand Alfa Laval, und die NordLB machte der Kammer „ein großes Kompliment“ für die Veranstaltung die „die Sache Schwedens ist damit in der BRD sehr gefördert“ und sich durch die „Übereinstimmung von technischer Perfektion und menschlicher Wärme“ ausgezeichnet habe. Dr. Achim Middelschulte, der als Freund der Königin geladen war, beurteilte das Programm als „hervorragend gestaltet und entsprechend schmissig lief der Abend ab“. „Festlicher und würdiger hätte kein Jubiläum gefeiert werden können“, stellte der schwedische Konsul in Düsseldorf, Hans-Georg Paffrath, fest.



Für Schweden rückte zum Ende der Achtziger Europa immer stärker in den Fokus des Interesses. Um die Verbundenheit des Königsreichs, damals noch nicht Teil der EU, mit dem Kontinent zu demonstrieren, plante die Schwedische Handelskammer 1989 erneut eine Großveranstaltung: das Symposium „Schweden in Europa“. Erneut gab sich das Königspaar die Ehre und kam nach Düsseldorf, um Vorträge und eine Podiumsdiskussion zu hören, die sich mit der Perspektive der schwedischen Industrie im schrankenlosen europäischen Binnenmarkt nach 1992 befasste. Dass dieser immer wichtiger und größer werden würde, konnte man am Ende der Achtziger erahnen: Mit Hochstimmung und Zukunftshoffnung endet das Jahrzehnt, als die Mauer fällt und das Ende des Kalten Krieges absehbar wird.  


80er Jahre in der Geschichte

1980     Referendum in Schweden zur Atomkraft
1980     Der schwedische Film „Sällskapsresan“ von Lasse Åberg hat Premiere
1981     Ronald Reagan wird US-Präsident
1981     Die Gewerkschaft „Solidarno??“ wird gegründet
1982     Romy Schneider stirbt
1982     Grace Kelly stirbt
1983     Schweden führt den 6. Juni als offiziellen Nationalfeiertag ein
1983     Das erste Mobiltelefon, das Motorola DynaTAC 8000X, kommt auf den Markt
1984     In Deutschlang gilt die Anschnallpflicht
1984     Apple bringt den Macintosh auf den Markt
1985     Der siebzehnjährige Boris Becker gewinnt das Grand Slam Turnier
1986     Die „Challenger“ explodiert kurz nach dem Start
1986     Gorbatschow propagiert Glasnost und Perestroika, um die Demokratie zu erneuern
1986     Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
1986     Olof Palme wird ermordet
1988     Steffi Graf gewinnt alle Grand Slam Turniere und         Olympia
1989     Das größte sphärische Gebäude der Welt, Globen, wird in Stockholm     eröffnet
1989     Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens
1989     Die Berliner Mauer fällt

Von: Helen Hoffmann