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Schwedens Kunstmarkt:
Dominiert von wenigen Akteuren

Schwedens Kunstmarkt:
Dominiert von wenigen Akteuren

Kunst ist längst nicht mehr nur etwas, was man in einem Museum oder einer Ausstellung betrachtet. Kunst wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einer Handelsware, in die man viel investieren und mit der man gutes Geld verdienen kann. Auf dem Kunstmarkt stellen sich ständig neue Verkaufsrekorde ein, der globale Kunstmarkt erreichte 2014 ein neues Höchstmaß von 51 Milliarden Euro. Erst in diesem Frühjahr wurde das Picassogemälde „Les femmes d’Alger” für 160 Millionen Dollar verkauft. Ein Allzeit-Rekord – bis jetzt.   

In Zeiten unsicherer Börsenkurse scheint Kunst eine lohnende Investition zu sein. Sie bringt einen besseren Ertrag mit zugleich niedrigerem Risiko. Zwar wurde auch der Kunstmarkt durch die Wirtschaftskrise 2008 und 2009 beeinflusst, doch erholten sich die Preise schnell und der Trend ist weiterhin steigend. Der Kunstmarkt-Informationsdienst Artprice spricht von einem derzeitigen Höchstniveau.
Allerdings gleicht der Kunstmarkt nun auch mehr und mehr dem Börsenmarkt. Spekulationen und Hypes um bestimmte Künstler wachsen. Im letzten Jahrzehnt wurde oft von einer Kunstblase gesprochen, geplatzt ist diese aber noch nicht.

Auch in Schweden läuft der Kunsthandel gut. 2014 trug Stockholm mit 0,4% zum globalen Kunstvertrieb bei. Damit steht die schwedische Hauptstadt auf einer Stufe mit Berlin (ebenso 0,4%) und München (0,5%).  In Schweden sind es vor allem die großen Auktionshäuser, die den Löwenanteil des Vertriebs abwickeln. Diese bewerten Kunstgegenstände, die anschließend in einem Katalog vorgestellt werden. Die Zahl der Online-Auktionen wächst, dies wirkt sich positiv auf den gesamten Vertrieb aus. Somit kann ein größerer Teil des Marktes erreicht werden.

Bukowskis ist eines der größten schwedischen Auktionshäuser. 2014 verkaufte es Andy Warhols Bild „Last Supper“ für über 58 Millionen schwedische Kronen. Damit ist es das teuerste Bild, das jemals in Schweden verkauft wurde.

Anna Persson, Bukowskis Anna Persson, Bukowskis

„Das Interesse für Kunst ist größer als jemals zuvor. Die Sehnsucht nach einem gemeinsamen Kulturerbe ist groß. In einer Welt, die sich immer schneller dreht und immer kommerzieller wird, braucht der Mensch Beständigkeit und etwas, das bleibt“, sagt Anna Persson, Leiterin der Kunstabteilung und Spezialistin für zeitgenössische Kunst bei Bukowskis.

Doch der Erfolg der Auktionshäuser geht auf Kosten der Kunstgalerien in Schweden. Die Galerien, die direkt die Künstler vertreten, benötigen oft längere Zeit, um ein Interesse für den Künstler aufzubauen. Auch die Preise können nicht so hoch angesetzt werden wie in den Auktionshäusern. Galerien haben meist nicht die Ressourcen, um auf dem Markt zu bestehen. Momentan gefragte zeitgenössische Kunst zu verkaufen, gelingt den Aktionshäusern eher, die dabei die Galeriekonkurrenz hinter sich lassen.

Kunst ist auch in Schweden in Mode und wer geschickt investiert, kann viel Geld verdienen. Der schwedische Kunstmarkt konzentriert sich jedoch auf wenige Institutionen und Personen, die Galerien und Künstler sind nur ein kleiner Teil des Marktes. Wer demnächst im Museum Investitionslust bekommt, dem rät Anna Persson, sich die Künstler, die bei Galerien unter Vertrag stehen, anzuschauen. Schlussendlich gelte jedoch, „Kaufen Sie, was Ihnen gefällt und was Sie interessiert“.

Akteure des schwedischen Kunstmarktes

Stockholms Auktionsverk wurde 1674 vom Freiherrn Claes Rålamb gegründet, es ist damit das älteste aktive Auktionshaus der Welt. Zu den Kunden zählten Carl Michael Bellman, August  Strindberg und Selma Lagerlöf. Stockholms Auktionsverk gehört heute zu den führenden nordischen Marktplätzen für Kunst, Kunsthandwerk und Antiquitäten. Neben zwei Standorten in Stockholm gibt es Filialen in Göteborg und Malmö.

Weitere Akteure: Bukowskis ist ein führendes Auktionshaus, bei dem man sogar Immobilien ersteigern kann. Die Galleri Nordenhake ist in Stockholm und Berlin vertreten und ein Beispiel für einen in Schweden eher seltenen Galeristentypus, www.nordenhake.com. Außerdem sind Göteborgs Auktionsverk, Göteborgs konstförening, Uppsala auktionskammare und Åmells konsthandel, Stockholm, führend für skandinavische Kunst.

Text: Therése Olofsson