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Für introvertierte schweden nicht geeignet

Als ich das erste Mal nach Deutschland kam, hatte ich, wie die allermeisten, eine bestimmte positive Vorstellung davon, wie die Dinge hier funktionieren – organisiert, effektiv, logisch. Obwohl ich eine große Vorliebe für dieses Land habe, muss ich aber konstatieren: Das stimmt nicht! Zumindest nicht in den Lebensmittelgeschäften.

Der deutsche Lebensmittelmarkt ist einer der meistumkämpften in Europa. Deswegen würde man auch guten Service erwarten. Doch wenn man in ein Geschäft tritt bemerkt man direkt drei Dinge. Erstens: Nichts steht wo man es erwartet. Teesirup steht neben dem Kaffee, Bergsalz steht in einem Teil des Geschäfts und Meersalz im anderen und einige Nudelkartons stehen in der Backabteilung! Zweitens: Alles ist in Unordnung. Leere Milchverpackungen liegen auf dem Boden – die Angestellten haben sie einfach liegenlassen. Und Drittens: Schlangen. Immer Schlangen.   

Zu wenige Kassen sind geöffnet und jeder Kunde braucht viel Zeit. Das Kassenband endet direkt nach der Kasse und alle Waren werden aufeinandergestapelt. Deswegen können keine neuen Kunden bedient werden, bevor die vorherigen ihre Taschen gepackt haben. Das ist vielleicht das Schrecklichste für mich:  Wenn ich selbst meine Waren einpacke, warten die anderen Kunden auf mich – ich kann den Stress nicht ertragen! Warum kann das Kassenband nicht nach der Kasse weitergehen? Man könnte es in zwei Teile separieren, einen für die aktuellen Kunden und einen für die vorhergehenden, die jetzt einpacken. In dieser Ausgabe berichten wir viel über Einzelhandelskultur und Digitalisierung. Wie bekannt, sind wir Schweden in gewissem Sinn ein bisschen „moderner“ als die Deutschen. Bevor ich nach Deutschland fuhr, hatte ich seit sicherlich zwei Jahren kein Bargeld mehr verwendet. Warum sollte ich? Es nimmt ja nur Platz weg in der Brieftasche! Hier muss ich aber Bargeld benutzen; Karte wird oft nicht akzeptiert. Bei einigen Gelegenheiten habe ich sogar meinen Personalausweis zeigen müssen, als ich mit Karte bezahlen wollte. Kartenzahlung ermöglicht auch einen anderen, wie ich finde, Vorteil der schwedischen Einzelhandelskultur: Selbstbedienungskassen. Vielleicht bin ich nur ein introvertierter Schwede, aber warum würde man eine Kasse mit Personal statt einer SB-Kasse wählen? Bei der einen muss man stundenlang Schlange stehen, dann stressig seine Waren packen. Die andere lässt mich in Ruhe packen und bezahlen. Keine Augen auf mich, kein Stress. Und für das Geschäft kostet es weniger und braucht weniger Platz. DAS ist organisiert, effektiv und logisch!