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// Innovation kommt aus Europa

Ungarn, Polen, Katalonien, Trump und der Brexit – die EU steht unter Druck an vielen Fronten. Was bedeutet das für die Wirtschaft und wie wirken sich die politischen Strömungen auf Unternehmen aus? Das war die Frage, der die Panelisten des Jahresauftakts der Schwedischen Handelskammer in diesem Jahr nachgingen.

„2016 war ein annus horribilis für Europa“, stellte Robert Butschen von der IHK Düsseldorf in seinem Impulsvortrag fest. Das Resultat sei jedoch gewesen, dass Europa näher zusammengerückt sei, eine Rückbesinnung auf die EU im letzten Jahr stattgefunden habe. Die Wahlen in Frankreich und den Niederlanden seien erfreuliche Zeichen für Pro-Europäer gewesen. Dies spiegele sich auch deutlich im Außenhandel wider. Der wachsende Protektionismus habe weniger Auswirkungen als erwartet „Europa erlebt ein Comeback als Partner, besonders auch Südeuropa“, konstatierte Butschen.

„Freiheit, Freizügigkeit und Frieden“, waren einige der Hauptbegriffe, die die Gäste des Jahresauftakts angaben, als sie in einer Liveumfrage zu Beginn der Veranstaltung zu ihren Assoziationen zu Europa befragt wurden. Und auch die Frage nach der Lage der Union in zehn Jahren beantworteten die Gäste optimistisch. Eine weitere Desintegration werde es eher nicht geben, allenfalls eine individuellere Entwicklung in einem „Europa der zwei Geschwindigkeiten“.

Forschung und Entwicklung findet in der EU statt

„Europa ist unsere Heimat“, befand Olaf Reus (Ericsson) unumwunden. Auch, wenn der Umsatz, den Ericsson in Europa mache, gesunken sei, so habe der Konzern 40 % seiner Mitarbeiter in Europa. Besonders das Thema Innovation sei fest in Europa verankert: 70 % der Investitionen in Forschung und Entwicklung würden in Europa getätigt. Auch Stephan Ketteler (Epiroc/Atlas Copco) betonte, dass die benötigte Technik hauptsächlich aus Europa, nämlich aus Schweden stamme.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wandelten sich die Strategien gerade, berichtete Ketteler. Epiroc setze verstärkt auf lokales Personal statt Expats zu entsenden und treibe die dringend nötige Diversifizierung aus Europa heraus.

Die offenen Grenzen und der gemeinsame Binnenmarkt der Europäischen Union seien für Wirtschaftstreibende ein gutes Umfeld, doch die Panelisten bemängelten die aktuellen Rahmenbedingungen. Europa müsse funktionieren, dazu gehöre auch, dass Deutschland mit am Verhandlungstisch säße. Während der andauernden Regierungsbildung sei die deutsche Beteiligung gehemmt. Die EU biete viele Chancen, wirkte aber momentan handlungsunfähig. Nötig für die Wirtschaft sei Klarheit bei den vielen anstehenden Themen, die Unternehmen verunsicherten.

Schweden ein Musterbeispiel im Angebot für ausländische Unternehmen

Der Handel zwischen Deutschland und Schweden profitiere jedoch von den bilateralen Bemühungen der Regierungen, die sich unter anderem in der neuen Innovationspartnerschaft niederschlügen. Der Außenhandel mit Schweden floriere, bestätigte Robert Butschen, und gehe stetig bergauf. Auch Regulierungen habe das Land so gelöst, dass Unternehmen unkompliziert durch die Prozesse geführt werden: „Was ausländischen Firmen in Schweden geboten wird, ist musterhaft für Europa“.

Auch das Schreckensgespenst Brexit beschäftigte die Teilnehmer des Jahresauftakts. Der Austritt würde nicht durchgehen, glaubten Vertreter aus dem Publikum, da bereits jetzt der Handel stagniere. Britische Firmen äußerten den Wunsch, wieder beizutreten. Robert Butschen war sich sicher, der Austritt der Briten das Auseinanderdriften der Union auch positiv beeinflussen könnten: die schwierigen Verhandlungen über den Brexit dienten als Warnung an andere kritische EU-Mitgliedsstaaten, diesen Weg nicht zu beschreiten.