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// SCHWEDISCH LERNEN DIGITAL: "DAS DIGITALE SPRACHENLERNEN ERFORDERT VIEL DISZIPLIN"

Die Digitalisierung verändert nahezu alle Lebensbereiche. Auch Sprachenlernen funktioniert zunehmend online. Bei Duolingo oder Babbel pauken Lernende Vokabeln per App. Aber kann man so „richtig“ schwedisch lernen? Das Magazin der Schwedischen Handelskammer, Schweden aktuell, sprach mit einer Expertin.


Dr. Ute Störiko, Leiterin und Gründerin des Sprachinstituts OBS!

Frau Dr. Störiko, ihr Sprachinstitut OBS! nutzt schon seit vielen Jahren die Möglichkeiten der Digitalisierung, unter anderem um Sprachenlernen ortsunabhängig zu ermöglichen. Welche Rolle spielt die Digitalisierung heute beim Spracherwerb?
Aus dem Bereich des Sprachenlernens ist die Digitalisierung nicht mehr wegzudenken: Bei den Wörterbüchern fängt es an und geht hin bis zum Sprachunterricht über Plattformen wie Skype oder Facetime. Die Spanne reicht also von automatisierten Nachschlageoptionen über Lernsoftware und Unterrichtsmaterialien aus dem Netz bis hin zu Live-Begegnungen. Die digitalen Sprachlernoptionen im Netz eignen sich besonders für das Selbststudium, aber sie verlangen viel Disziplin. Daher sehe ich sie mehr als Ergänzung. Motivierender und erfolgreicher ist das Sprachenlernen mit Trainer/Innen vor Ort oder online und am allerbesten ist natürlich ein Sprachkurs im Land selbst.

Wie funktioniert das Lernen per Skype denn konkret? Eins-zu-eins-Unterricht zu festgelegten Zeiten? Kann man so auch anerkannte Abschlüsse erzielen?
Skype- oder Facetime-Unterricht kann man als Einzel- oder Paarunterricht buchen. Die Teilnehmer vereinbaren einen Termin mit ihrer Lehrkraft, rufen sich über Skype an und hören und sehen sich dann über den Computer. Die Termine können die Teilnehmer ganz flexibel mit der Lehrkraft vereinbaren – und das funktioniert aus unserer Erfahrung auch sehr gut. Wie im Präsenzunterricht arbeitet man mit einem Lehrbuch – oder bei fortgeschrittenen Teilnehmern mit Texten, Filmen, Musik etc. Besonders praktisch ist, dass man sich während des Unterrichts Notizen schicken kann. Nach mindestens 20 Unterrichtsstunden stellen wir von OBS! gerne eine Teilnahmebestätigung mit Angabe des erreichten Niveaus nach dem Europäischen Referenzrahmen für Sprachen aus. Darüber hinaus nehmen wir die international anerkannte SWEDEX-Prüfung ab und ab Herbst diesen Jahres auch die SkandCert-Prüfungen in Norwegisch und Dänisch (ab 2018 zusätzlich in Isländisch und Finnisch).

Sie legen großen Wert auf individuellen Schüler-Lehrer-Kontakt, sei es per Skype, E-Mail oder im Unterricht vor Ort. Denken Sie, dass Sprachlernsoftware alleine nicht zum Erfolg führt?
Richtig. Sprache ist immer zwei- bzw. mehrseitig, daher kann Sprachlernsoftware genauso wie Lernen aus Büchern allein nicht zum Ziel führen.

Liegen die Grenzen des Digitalisierens also letztlich in der Art, wie Menschen lernen und kommunizieren?
So könnte man es sagen. Auch für unseren Sprachunterricht gilt: Vorrang hat nach wie vor das Lernen vor Ort, in der Präsenzsituation. Der Unterricht über Skype ist immer nur die zweitbeste Lösung. Aber sie greift da gut, wo keine Lehrkräfte in der Nähe sind, Teilnehmer sich ständig an verschiedenen Orten aufhalten oder zeitlich sehr flexibel sein möchten. Besonders gut funktioniert der Skype-Unterricht in Kombination mit Vor-Ort-Unterricht oder im Anschluss an einen Präsenzkurs, also als sogenanntes Blended Learning. Übrigens bieten wir seit diesem Jahr mit einer Trainerin auch Online-Seminare für Interkulturelles Training an. Diese runden den Sprachunterricht perfekt ab.

Wie stabil ist das Interesse am Schwedischlernen, sehen Sie Entwicklungen oder Schwankungen?
Die Nachfrage nach Schwedisch und auch Norwegisch ist stets hoch. Dänisch, Finnisch und Färöisch sind etwa gleichbleibend, und der „Renner“ momentan ist Isländisch!