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// MANAGEMENT FORUM: DIE WERTSCHÖPFUNG DER ZUKUNFT IST DIGITAL

Bis 2025 werden eine Billion Objekte im Internet vernetzt sein, sagen Prognosen vorher. Was bedeutet das für die Arbeit der Zukunft? Wie kann das heutige Arbeitsrecht mit der Digitalisierung vereinbart werden? Darüber, wie wir in Zukunft arbeiten werden, sprachen Dr. Anne-Sophie Tombeil vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und Dr. Christian Bloth von der Rechtsanwaltsgesellschaft kallan beim diesjährigen Management Forum in Frankfurt.


Dr. Anne-Sophie Tombeil, Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft
und Organisation


„Die Digitalisierung produziert Gewinner und Verlierer“, stellte Dr. Anne Sophie Tombeil fest. Zwölf Prozent der Jobs in Deutschland hätten ein hohes Automatisierungsrisiko, könnten also leicht durch Maschinenarbeit ersetzt werden. Dennoch werde sich die Gesamtbeschäftigung kaum verändern, Arbeitsplätze würden stattdessen umgeschichtet, sagte Tombeil voraus.

Die Arbeit der Zukunft erlebe auch einen soziokulturellen Wandel. „Hier im Raum sieht man es schon“, stellte die Expertin fest. „Ich sehe hier mindestens drei Generationen“. Zum ersten Mal in der Geschichte der arbeitenden Menschheit seien in Unternehmen bis zu vier Generationen gleichzeitig aktiv. Die individuellen Lebensphasen werden vielfältiger gestaltet und die jüngeren Arbeitnehmer wechselten häufiger den Beruf. „Sie haben andere Ansprüche an die Arbeit, Lifestyle wird bedeutsamer als Profit“, beobachtet Tombeil. Gleichzeitig veränderten sich auch die Bedürfnisse der Arbeitgeber: Fachwissen sei nicht mehr erstrangig, stattdessen rückt die Kommunikations- und Medienkompetenz an erste Stelle.

Damit verändern sich auch die Modelle der Wertschöpfung.  „Die Wertschöpfung der Zukunft ist die digitale Wertschöpfung“, ist sich Tombeil sicher. Produkte würden verstärkt zu Dienstleistungen, wenn Unternehmen die sogenannten as-a-service-Modelle anbieten oder on demand Produkte bereitstellen. Der Nutzwert für den Kunden treibe dabei das Geschäft.

Mit der Digitalisierung gehe zwar auch ein höheres Maß an Wissen einher, das jedoch so komplex würde, dass es nicht mehr immer abzubilden sei.  Für Entscheidungsträger ergeben sich dadurch neue Herausforderungen: „Sie können nicht wissen, was Sie mit Ihrer Entscheidung im Gesamtsystem auslösen. Sie müssen unter Unsicherheit entscheiden“, erklärte Tombeil.


Dr. Christian Bloth, Rechtsanwaltschaftsgesellschaft kallan

Zu diesen neuen Entwicklungen in der Arbeitswelt passt das geltende Arbeitsrecht jedoch nur schlecht. „Das Arbeitsrecht ist veraltet und passt nicht mehr zum ‚demokratischen sozialen Wesen‘“, konstatierte Dr. Christian Bloth in seinem Impulsvortrag. Die arbeitsrechtlichen Begriffe des Arbeitnehmers und des Betriebs müssten neu definiert werden, um das Niveau des Arbeitnehmerschutzes aufrecht zu erhalten.

„Manchmal ist elektronische Kommunikation gut, manchmal aber auch gefährlich“, sagte Bloth. Elektronische Dokumente könnten in Zeiten von Fake News leicht gefälscht werden. Hier sei die Beweisfunktion der Unterschrift bedeutend. Eine weitere Herausforderung für das Arbeitsrecht 4.0 sei die Regulierung der Arbeitszeiten, denn diese seien nicht mehr zeitgemäß. Doch das Arbeitsrecht mit seinen teilweise engen Grenzen biete auch wertvollen Schutz für Arbeitnehmer, die durch die digitalisierten Arbeitsweisen stärker unter Druck gerieten. Der Gefahr, dass Arbeit und Privatleben nicht mehr trennbar seien, beugten die Regelungen vor. So gilt auch weiterhin trotz digitaler Erreichbarkeit: Der Feierabend hat seine Berechtigung.

Wir danken dem Fördermitglied der Handelskammer herzlich für die Gastfreundschaft:


Partner des Management Forums 2017