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// AllBright Stiftung:
"Wir sehen Deutschland kurz vor dem Umbruch"

Neuen Schwung in die Debatte um die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen deutscher Unternehmen hat die AllBright Foundation mit ihrem Ende September vorgelegten Bericht gebracht: der liegt in den Vorständen deutscher Börsenunternehmen gerade mal bei 6,5 Prozent. Die 2011 in Stockholm gegründete AllBright Foundation will mit ihrer Schwesterstiftung, die Anfang des Jahres in Berlin ihre Arbeit aufgenommen hat, Impulse aus Schweden nach Deutschland bringen. Dr. Wiebke Ankersen und Christian Berg, Geschäftsführer der Stiftung, sehen, dass sich in Deutschland schon bald ein Wandel abzeichnet. Schweden Aktuell hat Ihnen fünf Fragen gestellt.

Wiebke Ankersen und Chrstian Berg von der AllBright Stiftung

Warum engagiert sich eine schwedische Stiftung in Deutschland – handelt es sich hier um gleichstellungspolitische Entwicklungshilfe?
Gewissermaßen schon. Die AllBright Stiftung in Berlin ist eine Schwesterstiftung von Stiftelsen AllBright in Stockholm und setzt sich für mehr Frauen in wirtschaftlichen Führungspositionen in Deutschland ein. Wir nutzen dabei aber das Know-how und die Erfahrungen aus Schweden. Auch in Schweden hat die Zahl der Frauen in den Vorständen privater Unternehmen ja über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren auf extrem niedrigem Niveau stagniert. Erstaunlich, wenn man bedenkt, wie fest verankert der Gleichstellungsgedanke im Land ist. Erst in den letzten fünf Jahren ist Bewegung in diese Entwicklung gekommen, vor allem durch eine starke öffentliche Debatte.
Wir sehen Deutschland kurz vor diesem Umbruch. Das ist in Zahlen noch kaum messbar und kündigt sich vor allem bei den Großunternehmen an. Und da wollen wir unter anderem Erfahrungen aus Schweden einbringen und so die Entwicklung mit anschieben. Und gleichzeitig können wir viele Impulse aus Deutschland – auch die Erfahrungen mit der gesetzlichen Frauenquote – an die Kollegen in Schweden weitergeben.

Wer steht hinter der Stiftung und finanziert sie?
Die Stiftung wurde 2011 in Schweden vom Unternehmer Sven Hagströmer gegründet, er ist es auch, der sie finanziert. Michaëla Blomquist von Michaël Berglund Executive Search ist Vorsitzende des Stiftungsrates.

Ist der Hauptfokus in Deutschland die Erhöhung des Frauenanteils in Unternehmen oder geht es AllBright allgemein um Meritokratie?
Es geht AllBright um Chancengleichheit. Jeder soll sein volles Potential ausschöpfen können, ohne mehr Steine auf seinem Weg vorzufinden als andere. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung sind Frauen, aber in den Vorständen der wichtigsten 160 deutschen Börsenunternehmen sind sie nur mit 6,5 Prozent vertreten. In diesem Zusammenhang ist das Management entscheidend. Wir setzen uns für einen modernen, offenen und inklusiven Führungsstil ein. Und der kommt natürlich nicht nur Frauen, sondern am Ende auch den Männern und vor allem den Unternehmen selbst zugute.

In Schweden arbeitet die Stiftung mit Freiwilligen, wie sieht die Arbeit in Deutschland aus und was macht AllBright konkret?
Wir sind eine gemeinnützige Organisation und arbeiten in Deutschland auch mit engagierten Freiwilligen. Und konkret: Wir sehen, dass Quoten nur sehr widerstrebend erfüllt werden und das eigentliche Umdenken ausbleibt. Was wir wollen, ist überzeugen. Also machen wir Öffentlichkeitsarbeit. Dabei ist es uns besonders wichtig, dem modernen Management eine Plattform zu geben und gute, gelungene Beispiele aus Deutschland und Schweden bekannt zu machen. In der deutschen Debatte dominiert zurzeit so eine Grundeinstellung, dass die ganze Sache mit den Frauen in Führung irgendwie schwierig und problematisch ist und dass vor allem die Frauen sich ändern müssten. Wir möchten lieber zeigen, was für Chancen sich für die Unternehmen bieten, was alles geht und was für gute Ergebnisse dabei herauskommen.
Wenn wir Ende November unseren Stiftungsrat in Berlin präsentieren, wird beispielsweise auf der Konferenz auch Petra Hesser, die HR-Managerin des globalen Ikea-Konzerns über inklusive Führungs- und Firmenkultur sprechen: Ikea ist auch in Deutschland ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den Führungspositionen gelungen.
Ein anderer Pfeiler unser Arbeit ist es, Ausreden und Mythen mit Fakten zu begegnen, dazu veröffentlichen wir auch eigene Untersuchungen.

Die AllBright Stiftung hat Ende September einen ersten eigenen Bericht herausgegeben – worum geht es da?
Der Bericht soll Transparenz schaffen, Zahlen und Fakten und Namen benennen, auch als Grundlage für die Debatte: Die Börsenunternehmen der DAX-Indizes mussten vor genau einem Jahr feste Zielgrößen für die Erhöhung des Frauenanteils in ihren Vorständen benennen. Wir haben uns diese Ziele angesehen und auch, inwieweit sie erfüllt werden. Das Ergebnis ist erschreckend: Nur 16 von 160 Firmen planen überhaupt eine Erhöhung. Auf diese Firmen weisen wir hin und präsentieren besonders die, die dabei erfolgreich sind.
Aber wir arbeiten auch mit „Naming and Shaming“ und haben ein Ranking aufgestellt: eine weiße Liste mit Unternehmen, deren Vorstand einen 40-prozentigen Frauenanteil hat, eine graue, eine schwarze und eine doppelschwarze Liste, das sind die Firmen, die weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat auch nur eine einzige
Frau haben. Und das sind heute, im Jahr 2016, immerhin noch 18. Da gibt es noch jede Menge zu tun.

(Auf www.allbright-stiftung.de kann man den ganzen Bericht nachlesen)