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// Glanz und Gloria: Lohnt sich der Hof?
Das Königshaus als Wirtschaftsfaktor 

Schleier, Krone, Kutsche, Torte – vor sechs Jahren gaben sich Schwedens Kronprinzessin Victoria und Daniel Westling mit einem rauschenden Fest wie im Märchen das Ja-Wort. Die Hochzeit, die auch in Deutschland in den Medien viel beachtet wurde, führte jedoch im Vorfeld zu einer öffentlichen Diskussion in Schweden. Von den zwei Millionen Euro, die die Feier kostete, hatte der Brautvater König Carl XVI Gustaf nur zehn Prozent bezahlt. In Zeiten der Finanzkrise stellte sich die Frage: Rentiert sich das Königshaus?

Die Ausgabenseite bei der Rechnung ist recht gut zu beziffern: Die schwedischen Steuerzahler investieren jährlich knapp 13 Millionen Euro in ihre Königsfamilie. Eine Hälfte dieser Summe umfasst die sogenannte Apanage für das Königshaus, von der die Reise-, Verwaltungs- und Haushaltungskosten für den Hof und den Haushalt der Kronprinzessin finanziert werden. Davon werden alleine 66 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen, weitere 6,2 Millionen Euro dienen der Verwaltung der Schlösser, Parks und Sammlungen; hier sind 144 Vollzeitangestellte beschäftigt. Eintrittsgelder und Verkaufserlöse tragen zur Finanzierung bei:  Stattliche 700.000 Besucher besichtigen etwa jährlich das Schloss Drottningholm, das seit 1991 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Im Vergleich zu Deutschland sind die Kosten also durchaus überschaubar, denn der Staat sorgt in Deutschland für sein amtierendes Oberhaupt ebenso wie für die Altpräsidenten, die lebenslang den sogenannten Ehrensold erhalten. Das Budget für den deutschen Bundespräsidenten und das Bundespräsidialamt liegt so bei über 30 Millionen jährlich.

Königsfamilie 2014
(Foto: Anna-Lena Ahlström)

Unbezahlbarer PR-Wert des Königshauses

Die Rechnung für das schwedische Königshaus geht also auf. Die volkswirtschaftlichen Effekte von Victorias Hochzeit 2010 lassen die Kritiker kleinlich wirken: rund eine halbe Million Besucher, 2.300 Journalisten, hohe Tourismuszahlen und ein erheblicher Umsatz mit royalen Souvenirs sorgten volkswirtschaftlich für ein sattes Plus, das jeden Steuerzahler nur rund 12 Kronen pro Jahr kostete.

Ungleich schwerer zu beziffern ist der wirtschaftliche Effekt durch den unermüdlichen PR-Einsatz der Königsfamilie, nicht zuletzt bei jährlich Hunderten von Repräsentationsterminen im In- und Ausland. Während ihrer Reisen fördern sie gezielt Kultur, Umweltschutz und Bildung.  Dabei sind die große Integrität und persönliche Ausstrahlung insbesondere von Königin Silvia und Kronprinzessin Victoria in Zeiten globaler Medienaufmerksamkeit von großem Wert. Das Königshaus zahlt, um im Bild zu bleiben, kräftig ein auf den Imagewert Schwedens; der Sympathiebonus unterstützt schwedische Unternehmen beim Absatz ihrer Produkte. Durch sein Interesse an Umweltschutz unterstützt König Carl Gustaf besonders Unternehmen, die durch innovative Umwelttechnologien  Arbeitsplätze schaffen. Sehr konkrete Marketingunterstützung bedeutet der Status als „Königlicher Hoflieferant“. Etwa 130 Unternehmen, darunter kleine Spezialisten (Brämhults Saft) ebenso wie große Konzerne (IKEA) tragen diese Auszeichnung, die an transparente Kriterien gebunden ist und eine lange Tradition aufweist.

Welch ungeheure Wirtschaftsförderung royaler Glanz bedeuten kann, belegte kürzlich eine Meldung aus Großbritannien: Die gerade einmal ein Jahr alte Prinzessin Charlotte, hieß es da, habe bereits für Umsätze von 4,4 Milliarden Euro  gesorgt. Ob Babydecke, Kleid oder Schühchen, alles, worin Charlotte der Öffentlichkeit präsentiert wird, sei innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Ganz so spektakulär absatzwirksam dürfte die Kleiderwahl ihrer schwedischen Kollegin Estelle denn doch nicht sein, obwohl auch hier u. a. bei deutschen Boulevardmedien durchaus die Marken kommentiert und benannt werden. Wirtschaftsförderung schon im Windelalter –  das kann wohl nur die Monarchie.

Von Caroline Dubar

Übrigens: Die Liste der königlichen Hoflieferanten ist unter
www.hovlev.se einsehbar.