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// Fünf Fragen an Lars Danielsson 

„Man kann von einer deutsch-schwedischen Achse sprechen“

Lars Danielsson ist seit September Schwedens Botschafter in Berlin. 
Zuvor war er 4 Jahre Botschafter in Südkorea. In einem Gespräch mit Schweden Aktuell spricht er über die Zusammenarbeit zwischen Schweden und Deutschland in der Flüchtlingsfrage, Energiepolitik und verrät worauf er sich in Deutschland besonders freut.

Lars Danielsson Schwedischer Botschafter in Deutschland - Foto: Christian Jörgensen

Foto: Christian Jörgensen

Herr Botschafter, Sie kommen in politisch aufgeregten Zeiten nach Deutschland. Die Flüchtlingskrise, Syrien, die Ukraine oder auch ein Wirtschaftskrimi wie der VW-Skandal sind nur wenige Schlagworte, die das kennzeichnen. Wie haben Sie die ersten Wochen erlebt?
Es ist zunächst einmal ein großes Privileg, Schweden in Europas wichtigstem Land vertreten zu dürfen. Und für mich, der ich mich für unterschiedliche gesellschaftliche Fragen sehr interessiere und engagiere, ist dieser Herbst natürlich besonders spannend. Meine Ankunft hier war wirklich ein „hit the ground running“, das war sehr anregend. All den Herausforderungen zum Trotz, die Deutschland – wie auch Schweden – zu bewältigen hat, hat mich in den ersten Monaten sehr beeindruckt, mit welcher Entschlossenheit sich Deutschland der Problemkomplexe angenommen hat.


Gerade in der Flüchtlingsfrage konnte man ja den Eindruck gewinnen, Schweden und Deutschland seien die beiden engagiertesten Länder in Europa. Eine neue Achse im europäischen Gefüge?
Es ist richtig, dass Deutschland und Schweden sich sehr nahe sind, was den Umgang mit der Flüchtlingsfrage betrifft. Das ist ganz besonders wichtig, denn wir sind ja die zwei Länder, die diesbezüglich unter den EU-Mitgliedsstaaten die größte Last tragen. Es gibt hier auf allen Ebenen eine sehr enge Zusammenarbeit, vor allem in der Frage, wie wir eine wirkungsvollere europäische Lösung der Flüchtlingskrise erreichen können. Ich kann aber auch schon nach den ersten Monaten hier feststellen, dass es durchaus nicht die einzige Frage ist, in der man von einer deutsch-schwedischen Achse sprechen kann. Wir sind in einer ganzen Reihe von Fragen auf der europäischen Tagesordnung sehr gleichgesinnt.

Zu den ganz großen deutsch-schwedischen Themen gehört auch die Energiepolitik. Hier ist der Staatskonzern Vattenfall einer der großen Akteure auf dem deutschen Markt. Kürzlich war die schwedische Energiekommission unter Leitung des Energieministeriums Ibrahim Baylan in Berlin. Worum ging es da?
Die schwedische Energiekommission hat im Oktober einige wertvolle Tage in Berlin verbracht und bekam Gelegenheit, sehr viele Aspekte der deutschen Energiepolitik kennenzulernen. Die Energiesituation unserer Länder ist sehr unterschiedlich – wir haben ja in Schweden einen großen Kernkraftanteil und werden die Kernkraft auch in überschaubarer Zukunft behalten. Die Energiekommission konnte aber auch mehr darüber erfahren, wie die deutsche Gesellschaft mit den unterschiedlichen Aspekten der „Energiewende“ umgeht. Deutsch-schwedische Energie- zusammenarbeit ist viel mehr als Vattenfall. Die Energiekommission findet, dass im Bereich Ausbau und Förderung von erneuerbaren Energien in Deutschland vieles auch auf die schwedische Situation übertragbar sein könnte.

Sie waren zuletzt vier Jahre in Südkorea. Was bringen Sie von dort an Erfahrungen und Perspektiven mit?
Deutschland und Korea unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. In beiden Ländern aber gründet – genau wie in Schweden – ein Großteil des Wohlstands auf einer starken und wettbewerbsfähigen Industrieproduktion. Deutschland und Südkorea verbindet aber auch, dass die „Marke Schweden“ dort sehr stark ist und beide Länder sehr an den gesellschaftlichen Lösungen in Schweden interessiert sind. Außerdem ist die koreanische Halbinsel ja noch immer in zwei Nationen geteilt. Auch wenn ich verstehe und respektiere, dass die gesellschaftliche Integration der zwei deutschen Nationen ihre Zeit braucht, beeindruckt es mich doch sehr, was für eine fantastische Erfolgsgeschichte das wiedervereinigte Deutschland ist. Die südkoreanische Gesellschaft ist gezwungen, hohe Kosten und ein hohes Maß an Unsicherheit zu tragen, weil der letzte Rest des Kalten Krieges – das geteilte Korea – noch immer nicht auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist.

Worauf freuen Sie sich in Deutschland und in Berlin ganz besonders?
Meine Tage hier sind bisher randvoll mit Arbeit gewesen, aber ich hoffe doch sehr, dass ich bald etwas mehr von all dem Fantastischen genießen kann, das Berlin und Deutschland anzubieten haben. Als großer Kulturkonsument freue ich mich vor allem auf den deutschen Film und die deutsche Literatur und natürlich das herrliche Musikangebot in Berlin und an anderen Orten. Und wenn es denn einmal einen freien Samstagnachmittag gibt, muss wohl Hertha BSC damit rechnen, dass da auch ein fußballinteressierter schwedischer Botschafter auf den Rängen sitzt.